9 Fragen an: Runahild

In dieser kleinen Kurzinterview-Serie möchte ich Künstler*innen und anderweitig aktiven Personen, die Bezug zum Heidentum haben, neun Fragen stellen und ihre Antworten hier in meinem Blog präsentieren. Die Fragen werden stets die gleichen sein, die Antworten hingegen dürften abwechslungsreich ausfallen, was das Ganze in meinen Augen interessant macht. Es geht nicht um einen Dialog, sondern um den persönlichen Weg, die persönlichen Sichtweisen und Betrachtungen des Befragten.

Diese „9 Fragen“ gingen an „Runahild“, einer tollen und sympathischen Musikerin aus Norwegen. Über die Jahre hat Brenda, wie sie richtig heißt, zahlreiche Musikstücke und Alben im Folk- aber auch Folk-Rock-Stil veröffentlicht. Ab 2006 war sie 10 Jahre lang mit ihrem Folk-Projekt „Eliwagar“ unterwegs, ehe sie sich 2016 dazu entschied, ihre Musik unter ihrem Künstlernamen „Runahild“ zu veröffentlichen. Inzwischen hat auch ihre Musik es in die TV-Serie „VIKINGS“ geschafft („Fra Stjernar til Jorda“ in Episode 10 von Staffel 6). Ich habe HIER bereits mal etwas zu ihr und ihrer Musik geschrieben.

Die originalen Antworten auf Englisch findet ihr am Ende des Interviews, für das ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte.

Viel Spaß!

 

Brenda aka „Runahild“

Wer bist du?

Ich bin eine Naturliebhaberin und lebe so viel wie möglich auf dem Land. Ich bin einfühlsam gegenüber der Natur und den Geistern, die sie und das Universum bewohnen. Schon als ich zu laufen begann, zog es mich in den Wald, der direkt hinter unserem Haus lag. Ich habe mich nie wirklich als Teil der Gesellschaft gefühlt und war auch nie daran interessiert, sozialen Codes zu folgen, was mir viel Zeit allein gab, um stattdessen zwischen Bäumen umherzuwandern. Ich liebe Reflexion und Kontemplation (konzentriert-beschauliches Nachdenken und geistiges Sichversenken in etwas, Anm.), während ich nur den Geräuschen in der Natur zuhöre und in ihrer Energie verschmelze.
Mein ganzes Leben ist der Kreativität, Spiritualität und Musik gewidmet, die alle aus meinen Erfahrungen in der Natur und aus meinem Wunsch entstanden sind, mit anderen zu teilen, wie ich ihre Magie und Kraft in mir spüre.

 

Woher kommst du?

Ich komme ursprünglich aus einem kleinen Dorf im Nordosten Frankreichs. Ich bin 2010 nach Norwegen gezogen und lebe seitdem hier. Jetzt lebe ich teilweise in einer kleinen Berghütte, die von einem schottischen Zimmermann in Westnorwegen gebaut wurde, und teilweise in einem Lavvo* in den Wäldern von Südnorwegen.

*Lavvu ist eine vorübergehende Behausung, die von den Samen Nordeuropas genutzt wird. Es ähnelt einem Tipi der amerikanischen Ureinwohner, ist jedoch weniger vertikal und stabiler bei starkem Wind.

 

Was ist dein Weg?

Ich fühlte mich immer von der Spiritualität der Natur angezogen, egal ob ich es Hexerei, Heidentum oder Schamanismus nannte. Ich fühle mich besonders von der nordischen Magie namens Seidr angezogen. Trotzdem fällt es mir mit den Jahren schwerer, meinen Weg zu definieren, weil definierte Formen der Spiritualität oft mit einer Reihe von Regeln einhergehen, die von anderen Menschen aufgestellt wurden… und ich glaube, Spiritualität ist freier Ausdruck, es ist eine Verbindung von innerhalb des eigenen Selbst ins Universum und zurück. Es braucht keine Regeln, sondern sich einfach verbunden zu fühlen. Damit meine ich, dass ich es leid bin, Dinge zu hören, wie man dies oder das wirklich praktiziert, und wenn es nicht richtig gemacht wird (der richtige Weg wird von einer anderen Person und ihrer eigenen Erfahrung definiert), dann ist es falsch. Der endlose Wahr/Falsch-Konflikt und die Diskussion darüber, wer eine „rechtmäßige“ spirituelle Person ist … sowie „meine Götter / meine Praxis ist wahrer / gültiger als deine“ … es bringt mich dazu, Abstand von allem zu nehmen, weil es für mich keinen Sinn macht.

Ich interessiere mich auch sehr für die Wissenschaft und finde es faszinierend, wenn neue Forschungen altes spirituelles Wissen wiedergeben, wie zum Beispiel, wenn die Wissenschaft jetzt das Kommunikationssystem der Bäume erklärt und die Aufmerksamkeit dafür weckt, wie bewusstseinsklar Pflanzen sind. Die Beobachtung des Universums und der Funktionsweise der Natur ist für mich eine Verbindung zur spirituellen Weisheit. Ich sehe die physische Welt und die spirituelle Welt als eng miteinander verbunden und untrennbar, wo die Geister / Energien genauso in uns sind wie außerhalb von uns.

 

Was ist dein Ziel?

Mein Ziel ist es, meinen Weg weiter zu gehen, immer autarker zu werden und immer mehr Wissen über die Natur zu erlangen und von ihren Gaben zu leben. Mit den Menschen zusammen zu sein, die ich liebe, mit denen ich Kreise am Feuer organisieren möchte, andere in unser kleines Zuhause in der Natur einzuladen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich wieder mit der Erde und sich selbst zu verbinden und alle ihre Sinne zu öffnen… und natürlich weiterhin Musik zu komponieren!

 

Was trägst du bei dir?

Die Art und Weise, wie ich immer mit der Natur und ihren Energien verbunden bin. Die Ekstase, die ich fühle, wenn ich spüre, wie schön und magisch Mutter Erde ist. Es gibt mir ein Gefühl der Einheit mit ihr, als ob das, was um mich herum passiert, nicht nur etwas ist, das ich sehe, sondern etwas, an dem ich beteiligt bin … und dieses Gefühl der Transzendenz geht sehr tief in jede Zelle meines Körpers.

 

Was prägt dich?

Ich würde sagen, jede einzelne Lebenserfahrung hat mich geprägt. Ich sehe es als ein ganzes Netz, in dem jeder eingeschlagene Weg, auch der unbedeutendste, mich zu der Person geformt hat, die ich heute bin und mich dorthin gebracht hat, wo ich bin. Auf diese Weise schätze ich all das Leid und die Not, die ich erlebt habe, genauso wie all die Höhepunkte… Aber ich denke, ich kann sagen, was mich während dieses Prozesses leitet, ist meine Sehnsucht nach Harmonie und Heimgefühl in mir und auch mit den Menschen, die ein Teil meines Lebens werden.

 

Was treibt dich an?

Kreativität und Ausdruck, das sind die zwei Hauptenergien, die mich im Leben antreiben. Ich denke, wenn dieses Verlangen nicht wäre, müsste ich mich und meine Vision durch Kunst ausdrücken. Ich würde wohl mein ganzes Leben glücklich damit verbringen, zur Betrachtung irgendwo in der Natur zu sitzen.

 

Was ist dir wichtig?

Dass die Menschheit einen Weg findet, im Einklang mit der Natur und miteinander zu leben …

 

Wem opferst du?

Hin und wieder halte ich eine Dankeszeremonie, bei der ich mich einfach bei den Geistern bedanke, beim Leben selbst, bei den Ahnen, beim Universum und bei Mutter Erde oder bei einer bestimmten Entität, der ich dankbar bin… aber ich nenne das nicht ein Opfer. Manchmal fordert uns unser Lebensweg auf, einige Herausforderungen anzunehmen, loszulassen und uns zu ergeben. Manchmal müssen wir die Kontrolle verlieren und manchmal müssen wir mitten in einem Sturm stehen. In diesen Momenten sind die Art und Weise, wie ich mich entscheide zu leben und die Energien, in denen ich mich trotz der Situation befinde, meine Gaben an die Geister. … das ist eher das, was ich mein „Opfer“ nennen würde. In diesem Fall ist es eines, das dem Leben und all den Energien gewidmet ist, die es formen.

 

Die Antworten im englischen Original / Answers in English (original):

Who are you?

I am a nature lover, living as much as possible of the land. I feel sensitive to nature and the spirits inhabiting her and the universe. Ever since I started walking, I’ve been drawn to the forest that was right behind my home. I have never really felt a part of society nor been interested in following social codes, which gave me a lot of alone time to roam among trees instead. I love reflection and contemplation while just listening to the sounds within nature and melt into her energy. My whole life is dedicated to creativity, spirituality and music, all born out of my experiences within nature and my wish to share with others how I sense her magic and power within.

 

Where are you from?

I originally come from a small village in the countryside of North-east France. I moved to Norway in 2010 and have lived here since. Now, I live partly in a little mountain cabin built by a Scottish carpenter in Western Norway and partly in a lavvo in the woods of Southern Norway.

 

What is your way?

I’ve always felt drawn to nature spirituality, whether I called it witchcraft, heathenism or shamanism. I feel especially drawn to the Norse magic called Seid. But, this said, I find it harder with the years to define my path because defined form of spirituality often comes with a set of rules made by other human beings… and I believe spirituality is free expression, it is a connection from within the self to the universe and back. It needs no rules but simply being/feeling connected. By that I mean that I am tired of hearing things like what is the true way of practicing this or that and if it is not made the right way (the right way being defined by an other person and their own experience) then it is wrong, the endless true/fake conflict and who is a rightful spiritual person… as well as „my gods/my practice is more true/valid than yours“… it makes me want to take distance from it all because it doesn’t make sense to me.
I am also much interested in science and find it fascinating when new researches reflects some ancient spiritual knowledge, like how science can explain now the communication system of trees and rise the awareness about how conscious plants also are. For me, observing the universe and the way nature works is connecting to spiritual wisdom. I see the physical world and the spiritual world as intricately intertwined and inseparable, where the spirits/energies are just as much within us as outside of us.

 

What is your goal?

My aim is to keep going the way I go, to become always more self-sufficient and keep gaining more knowledge about nature and how to live off her gifts. Be with the people I love, with whom I wish to organise circles by the fire, invite others into our little home in nature to offer them the possibility to reconnect to earth, to themselves and open up all their senses… and of course, keep composing music!

 

What are you carrying with you?

The way I’ve always connected to nature and to her energies. The ecstasy I feel by sensing how beautiful and magical mother earth is. It gives me a feeling of oneness with her like what happens around me isn’t just something I witness but something I am a part of… and that feeling of transcendence goes very deep, in every cell of my body.

 

Who/what shapes you?

I would say every single life experiences has been shaping me. I see it as a whole web, where every path taken, even what may seem most insignificant, shaped me to the person I am today and took me where I am. In this way, I value all the sorrow and hardship I’ve experienced as much as all the highlights… But I guess I can say, what is guiding me during this process is my longing for harmony and home feeling within myself and with the people who become a part of my life.

 

What moves/drives you?

Creativity and expression, these are the 2 main energies driving me in life. I think if it wasn’t for that craving I have to express myself and share my vision through art, I’d have happily just spend my whole life sitting somewhere in nature in contemplation.

 

What is important to you?

That humanity find a way to live in harmony with nature and with each other…

 

To whom do you sacrifice?

Every now and then, I have a thanking ceremony when I simply give my thanks to the spirits, to life itself, to the ancestors, to the universe and mother earth or any specific entity I am thankful to… but I don’t call this a sacrifice. Sometimes our life path asks us to take some challenges, to let go and surrender, sometimes we have to loose control and sometimes we have to stand in the middle of a storm… In those moments, the way I choose to live and the energies I choose to be in despite the situation are my gifts to the spirits… that is more what I would call my «sacrifice», in which case it is one dedicated to life and all the energies shaping it.

 

 

 

 

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