9 Fragen an: Voenix

In dieser kleinen Kurzinterview-Serie möchte ich Künstler*innen und anderweitig aktiven Personen, die Bezug zum Heidentum haben, neun Fragen stellen und ihre Antworten hier in meinem Blog präsentieren. Die Fragen werden stets die gleichen sein, die Antworten hingegen dürften abwechslungsreich ausfallen, was das Ganze in meinen Augen interessant macht. Es geht nicht um einen Dialog, sondern um den persönlichen Weg, die persönlichen Sichtweisen und Betrachtungen des Befragten.

Diese „9 Fragen“ gingen an Thomas, den viele von euch vor allem als „Voenix“ (Homepage, Facebook-Seite) kennen. Er ist seit Jahren aktiv in der heidnischen „Szene“ unterwegs. Seine Betätigungsfelder reichen von Schamanismus, Umweltaktivismus, Comic-Zeichnen, dem Schreiben von Büchern bis hin zu seinem Youtube-Kanal Heiden-TV. Seine Antworten auf die „9 Fragen“, für die ich mich bedanken möchte, lest ihr nun hier.

Viel Spaß!

 

Wer bist du?

Thomas, bekannter als „Voenix“

Nette Eingangsfrage. Kann ich Dir vielleicht beantworten, wenn ich hier mal abtrete. Da es dann aber zu spät ist und wir Menschen, vor allem wir Männer, uns ja vor allem über unser Tun definieren, zähle ich Dir hier gerne meine Haupttätigkeiten auf: Ich bin Künstler und Comiczeichner, Schriftsteller, Vater einer wunderbaren Tochter, Gefährte und Verehrer der holden Weiblichkeit, Filme- bzw. Videomacher, Holzschnitzer und Rasselbauer, Sportler und Bodybuilder, Naturliebhaber und Ritual-Leiter und ab und an, wenn danach verlangt wird, stehe ich Hilfe- und Ratsuchenden Menschen mit meinen erworbenen schamanischen Fähigkeiten zur Verfügung.

Woher kommst du?

Wie wir alle von den Sternen. Mein Körper hier von der Erde und dort wird er auch zurückbleiben, wenn ich mich eines Tages wieder verabschiede.

Was ist dein Weg?

Rückwirkend betrachtet aus heutiger Sicht von nun fast 52 gelebten Erdenjahren: der schamanische Weg. Bewusst aktiv gehe ich ihn nun seit gut 10 Jahren. Genauer betrachtet gehe ich ihn aber schon mehr als mein halbes Leben lang. Früher fehlte nur die Begrifflichkeit, die Definition und Wahrnehmung davon. Und ich denke, dass der Schamanismus sich immer mehr zeigt und an Bedeutung zunimmt – auch wenn die Medien das bislang, mit wenigen Ausnahmen, gekonnt ignorieren, ist ein überdeutliches Zeichen dafür, wie sehr die Welt momentan krankt und Heilung bitter nötig hat.

Was ist dein Ziel?

Menschen durch Kunst zu inspirieren und ihr Seelen an etwas zu erinnern, das unser bestehendes System in kaum einer Weise fördert, sondern ignoriert, leugnet und vielfach sogar unterdrückt. Ansonsten Schönheit und Bewusstheit in diese Welt zu tragen, um sie ein kleines Stückchen mehr zu dem zu machen, wie sie meinem subjektiven Empfinden nach, das eine Art Erinnern ist, sein sollte.

Was trägst du bei dir?

Weiß nicht so recht, ob ich die Frage richtig interpretiere. Spontan würde ich antworten: meine Ahnen, mein „erlebtes Wissen“ aus vergangenen Inkarnationen sowie die innere Gewissheit, dass stetig Wesen, Geister und Kräfte um uns sind, die alles durchdringen, uns führen und zuweilen auch verführen und besetzen. Ansonsten – wie jeder hier – trage ich einen Sack voller Prägungen mit mir herum, von denen vor allem die uns beschränkenden wieder abzustreifen mir hoffentlich irgendwann komplett vergönnt sein wird.

Wer oder was prägt dich?

Ah, da hab ich jetzt wohl etwas vorgegriffen. Dinge, die mich tief innen berühren und mich im besten Falle an etwas erinnern, das mir selber nahe und vertraut ist. Was frühkindliche Prägungen anbelangt, bin ich da – wie jeder von uns – meinem Umfeld ausgesetzt gewesen. Was aber, nachdem ich im Laufe der Zeit viele Einblicke in die leidvollen Erfahrungen anderer Menschen nehmen durfte, wahrlich nicht das Schlechteste war. Mir war bislang die Gnade zuteil, dass meine Seele in dieser Existenz keine allzu schweren Erschütterungen erfahren musste, sodass mein Glaube an das Leben – und ja, auch an die Liebe, in seiner Grundsubstanz nie ernsthaft gefährdet war.

Was treibt dich an?

Meine Freude am Tun. Wenn mich etwas zu begeistern schafft – was mit zunehmendem Alter leider immer etwas schwieriger wird – bricht sich in mir etwas kindliches Bahn. Wenn die Seele tanzen darf, bin ich zu manchem Opfer und mancher Schandtat bereit. Oder um Joseph Beuys kurz zu zitieren: „Erst durch die Kunst wird etwas in den Menschen hineingetan, was ihn überhaupt lebensfähig macht für die physische Seite des Lebens!“ Beuys war einer derjenigen, der Kunst als das eigentliche Kapital von uns Menschen definierte und damit in völligen Gegensatz zu unserem derzeitigen kapitalistischen System stellte, in dem aus ständigem Profitdenken der Begriff „Kapital“ nur auf Geld und daraus erfolgende künftige Gewinnmaximierung reduziert wird. Von daher versuche ich mein persönliches Kapital mit meinen bescheidenen Mitteln und Möglichkeiten in die Welt zu geben. Die Resonanz, Freude und Begeisterung in den Augen meiner Leser, Zuschauer und „Mitinteressenten“, heute nennt man sie wohl Fans oder Follower, macht damit den Gewinn meiner Arbeit aus. Und wenn bei all diesem Ringen dann noch so viel für mich abfällt, dass ich nicht aufs Sozialamt rennen muss, ist das innerhalb unseres derzeitig bestehenden Wertesystems doch auch nicht nichts.

Was ist dir wichtig?

Ein Dach über dem Kopf, nicht hungern zu müssen, Wärme im Winter und die Möglichkeit, mich durch Sport einigermaßen fit halten zu können. Kurz gesagt, Luxus ist irrelevant solange die Kunst gelebt werden kann. Aber wie andere auch, erfreue ich mich natürlich an einem guten Essen oder genieße es nach getaner Arbeit, mal einen Film oder eine gut gemachte Serie anzuschauen. Und Inspiration natürlich. Ohne die ist wirkliche Kunst kaum möglich. Weiter liegt mir das Wohl unserer Natur und ein respektvoller Umgang mit den Tieren am Herzen. Was das betrifft, dürfen wir uns als menschliche Spezies einfach nur noch schämen. Was mein Umfeld anbelangt, wird Ruhe und Stille ein immer kostbareres Gut. Ich lebe derzeit in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Diesbezüglich also ein Alptraum. Ruhe in Form eines geschützten (Frei-)Raumes, in dem ich mich – gewöhnlich alleine – aufhalten kann, bildet die Voraussetzung für mein kreatives Schaffen. Nur so bekomme ich Zugang zu meinem inneren Kosmos. Gute Güte, was klingt das heute alles wieder spirituell… und etwas egozentrisch. Aber ich vermute mal, dass viele Künstler so ticken.

Wem opferst du?

Mich mir selbst in meinem täglichen Ringen in der Kunst 🙂 Dafür habe ich schon manches Opfer erbracht. Die sich leider zuweilen auch schon mal auf mein engstes Umfeld ausweiten können, wenn der Anspruch meines Perfektions-Dämons meinen Nächsten ihr Leben schwer macht. Vermutlich mit ein Grund, warum ich am liebsten alleine arbeite und mich selbst ausbeute. Ansonsten hin und wieder auch den Geistern sowie den Ahnen bei Ritualen und Zeremonien.

 

 

 

 

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