Blues

Meine Leidenschaft für den Blues begann Ende der 90er Jahre, als ich mich vermehrt mit den großartigen Doors beschäftigte. Denn wie bei vielen Bands und Künstlern dieser Zeit, war der Blues eine hauptsächliche Antriebskraft ihrer musikalischen Kreativität. Ob Jimi Hendrix, Creedence Clearwater Revival oder Canned Heat, sie alle waren dem Blues verfallen und bei diversen Jams fand man stets den Weg in diesen.

So auch die Doors, die mit ihrer psychedelischen Musik natürlich auch andere geniale Momente hatten. Allerdings schlichen sich immer wieder Blues-Nummern wie z.B. „Back Door Man“ von Howlin’ Wolf, „Rock Me Baby“ von B.B. King oder „Krawling King Snake“, bekannt durch John Lee Hooker, in ihr Programm. Die Songs verfehlten ihre Wirkung nicht und so sah ich mich gezwungen, einen Plattenladen aufzusuchen, um in diesem Genre mehr zu entdecken. Leider war der Herr in besagtem Geschäft nicht vom Fach und gelinde gesagt unfähig, mir auch nur eine Platte zu verkaufen. Somit blieb ich also vorerst bei den Doors Versionen besagter Titel.

Eines Tages fiel mir in einem Geschäft zufällig die B.B. King CD „Live at the Regal“ in die Hände, die ich für einen „10er“ mitnahm. In Zeiten vor Spotify & Co. waren solche Schnäppchen immer ein Highlight. Blind gekauft und zuhause mit Spannung in die Anlage gelegt. So auch bei diesem Live-Album.

BB King – Live at the Regal

Albumcover BB King Live at the Regal

 

Aufgenommen 1964, veröffentlicht 1965 ist dies ein Album aus einer Zeit, zu der King über den Zenit schien. Der Blues hatte scheinbar seine große Zeit hinter sich und andere große Künstler schienen mit ihrer Rockmusik erfolgreicher zu sein. Dennoch ist dieser Live-Mitschnitt eines der besten Live-Konzerte aus der Konserve, die ich kenne. Von der Produktion her (man bedenke das Produktionsjahr) und auch in Sachen Performance und Stimmung. King ist kräftig bei Stimme, das Publikum kreischt und jauchzt und Lucille klagt ihr Leid. So muss das!

Die ersten vier Songs wirken auf mich wie ein Paket, auch wenn Sie natürlich eigenständige Werke sind.

1.     Everyday I Have the Blues (Peter Chatman, Memphis Slim) – 2:38
2.     Sweet Little Angel (Riley [„B. B.“] King, Jules Taub) – 4:12
3.     It’s My Own Fault (John Lee Hooker, King, Taub) – 3:29
4.     How Blue Can You Get? (Leonard Feather) – 3:44

King erzählt Geschichten, kündigt an, gibt Instruktionen an das Publikum, auf was es achten soll. Er besingt den „süßen kleinen Engel“, gesteht seine Fehler ein und klagt am Ende über seine nie zufriedene bessere Hälfte. Er geht musikalisch durchs Leben, wie es jeder kennt und schon erlebt hat. Nur macht King daraus großes Theater. Diese kleinen Geschichten aus dem Leben, die Probleme des Alltags, die uns doch so beschäftigen. Blues halt.

Das Finale mit How Blue Can You Get? versetzt mich heute noch in Gänsehaut übelster Sorte, wenn B.B. King klagend singt, wie undankbar und  versnobt seine Freundin war. Lucille kreischt unterstützend dazu als wolle sie bestimmte Punkte noch mal deutlich unterstreichen.

Ich gab dir einen brandneuen Ford
Du sagtest, du möchtest einen Cadillac
Ich kaufte Dir ein zehn Dollar Abendessen
Du sagtest: Danke für den Snack.
Ich lies Dich in meinem Penthouse leben
Du sagtest, es sei nur eine Hütte
Ich gab Dir sieben Kinder
Und jetzt willst du sie mir zurückgeben!

Gerade bei den letzten beiden Zeilen bricht im Zuschauerraum des Regal die Hölle los und in selbige singt King die letzten drei Strophen:

Ich war niedergeschlagen Baby
Seit dem Tag an dem wir uns trafen
Unsere Liebe ist nichts als der Blues

Das Lied ist vorbei.

Fertig. Ende. Aus. Hach…

Ehrlich gesagt, fällt es mir fast schwer danach weiterzuhören, weil für mich in diesem Moment alles gesagt ist.

Mit

5. Please Love Me (King, Taub) – 3:01
6. You Upset Me Baby (King, Taub) – 2:22
7. Worry, Worry (Pluma Davis, Davis Plumber, Denyse Plummer, Taub) – 6:24
8. Woke up This Morning (My Baby’s Gone) (King, Taub) – 1:45
9. You Done Lost Your Good Thing Now (Joe Josea, King) – 4:16
10. Help the Poor (Charlie Singleton) – 2:58

kommen aber natürlich noch einige tolle Stücke, die es definitiv Wert sind, gehört zu werden. Ein tolles Blues Konzert ohne allzu viel Schnick-Schnack. Zwar hat King auch hier seine Bläser dabei, die mir bei späteren Alben und Auftritten einfach zu sehr das Puristische des Blues nehmen, allerdings sind sie sie hier gut dosiert eingesetzt und B.B. Kings Stimme und Lucille stehen klar im Vordergrund.

Dieser Spannungsbogen jedoch, der über die ersten vier Songs entsteht und der mit dem großen Finale  endet, ist einmalig und hätte, aus meiner Sicht, vielleicht besser ans Ende des Konzerts gepasst.

Meckern auf hohem Niveau nennt man das dann wohl, denn für mich ist dies bis heute eines meiner persönlichen Top Live-Alben.

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