Das „Schwarze Moor“ in der Rhön

Am Wochenende durchwanderten wir das „Schwarze Moor“ in der Bayerischen Rhön. Ein Hochmoor, dass vor ca. 12.000 (nach der letzten Eiszeit) zu entstehen begann und das eine, durch Menschenhand beeinflusste, abwechslungsreiche Geschichte hat.

Zum Glück gehört es inzwischen zum UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und ist damit besonders geschützt. Durch die Schließung der Entwässerungsgräben und durch erneute Bewässerung konnte das Moor sich regenerieren. Forstwirtschaftliche und landwirtschaftliche Versuche in der Region hatten so manchen Schaden angerichtet, sind aber zum Glück seit geraumer Zeit vom Tisch.

 

Schwarzes Moor

 

Das Feuchtgebiet ist mit 66,4 Hektar der größte Moorkomplex aus Niedermooren und einem weitgehend unberührten und intakten Regenmoor in der Rhön. Es ist Bestandteil des europaweiten Schutzgebietssystems Natura 2000 und eines der bedeutendsten Hochmoore in Mitteleuropa. Das Schwarze Moor liegt auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Weser.

Das Klima um das Schwarze Moor und die Lange Rhön ist rau und kalt, denn die Hochrhön bildet eine Kälteinsel und weist Jahresmitteltemperaturen von 4,8 Grad Celsius auf. Hier bildet das Schwarze Moor nochmals eine eigene Kälteinsel, die zu jeder Jahreszeit Kaltluft und damit Frost enstehen lassen kann.
Die Hauptwachstumsperiode für Pflanzen dauert demnach auch nur von Juli bis Mitte September und die Temperaturverhältnisse schränken das Pflanzenwachstum erheblich ein. Hinzu kommen bis zu 200 Nebeltage pro Jahr und eine hohe Zahl an Tagen mit Raureifbildung.
Interessant ist auch die Tatsache, dass Moore bis vier Mal so viel CO2 binden können, wie Regenwald. Ein Punkt, der die Wichtigkeit von Mooren noch einmal besonders unterstreicht.

Natürlich gibt es verschiedene Sagen und Legenden über das Schwarze Moor. Eine der bekanntesten heißt „Das versunkene Dorf im schwarzen Moor“:

   Vor undenklicher Zeiten versank im Schwarzen Moor eine schöne Stadt oder, wie andere wissen wollen, ein großes Dorf, weil die Einwohner von ihrem sündhaften Leben nicht ablassen wollten. An die Stelle der Stadt oder des Dorfes trat nun ein unergründlich tiefer, schwarzer See, der nach und nach bis auf die wenigen schwarzen Löcher von einer dichten Moordecke überzogen wurde. In der Tiefe des Moores jedoch ist das Leben noch nicht erstorben; denn wenn die Bewohner des versunkenen Ortes nach ihrer Kirche eilen und reuevoll dort um Erlösung beten, dann braust es im Moore gewaltig, und schwarzes schlammiges Wasser gärt aus den sogenannten ‚Teichen‘. Auch habe mancher, der sich am Rande des Moores niederlegte, zuweilen noch die Turmuhr schlagen und die Hähne aus der Tiefe krähen hören. Nur drei Jungfrauen aus dem versunkenen Ort war es gestattet, zuweilen aus dem Moore emporzukommen. Sie wurden in der Umgegend die Moorjungfern genannt und kamen regelmäßig zum Kirmestanz nach Wüstensachsen. Als sie aber dort einmal über die Zeit zurückgehalten wurden, verließen sie traurig den Tanzplatz. Am anderen Morgen war einer der Teiche blutrot gefärbt. Die Moorjungfern hat seitdem keiner mehr zu Wüstensachsen gesehen. In nächtlicher Stunde schweben nur noch die Seelen der drei Moorjungfern mit denen der anderen dort Versunkenen als Irrlichte über dem Moore.

– Paul Schlitzer: Lebendiges Erbe – Sagen aus Rhön und Vogelsberg.

Auch unsere heidnischen Ahnen hatten immer einen Bezug zu Mooren. Opfermoore wie z.B. in der Niederdorla (Thüringen) belegen das. Im Fall des Schwarzen Moores konnte ich allerdings keinerlei heidnische Sagen, Funde oder belegte Nutzung von Kultplätzen finden, was natürlich nicht heißen muss, dass hier nie etwas dergleichen gewesen ist oder stattgefunden hat. Falls jemand also Hinweise oder Quellen in dieser Richtung hat, wäre ich dafür sehr dankbar.
Es war ein beeindruckender, ruhiger Ort, der mit seinem stillen und vielfältigen Lebensraum und seinen zahlreichen Geschöpfen (Vorsicht: Kreuzotter!) eine schöne Wanderung möglich machte. Zu gerne hätte ich diesen Gang im Nebel gemacht. Vielleicht ein anderes Mal…

 

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