Der Osterräderlauf in Lügde

Urkundlich zwar erst 1743 erwähnt, dürfte dieses alte Ritual hunderte Jahre älter sein. Eine alte, heidnische Tradition: Der Osterräderlauf in Lügde. Sechs extra dafür gebaute mannshohe Eichenholzräder in Form eines Sonnenkreuzes/Sonnenrades rollen, mit Stroh gestopft und brennend, vom Osterberg (früher von verschiedenen Bergen ins Emmer- bzw. Mariental) hinab. Die Räder wurden vorher tagelang in die Emmer gelegt, damit sie sich mit Wasser vollsaugen können und nicht zu schnell abbrennen. Je mehr dieser Räder am Fuße des Berges ankommen, desto besser wird die kommende Ernte. Bestenfalls bis in den Fluss Emmer, was heute aufgrund der Bebauung allerdings nicht mehr möglich ist. Eingebettet ist dieses Ritual in eine große Feier, die einst das Ende der dunklen Zeit und die Rückkehr des Lichtes zelebrierte. So brennt auf dem Berg, von dem die Räder hinabrollen, zusätzlich ein großes Feuer. Das Licht, dargestellt durch das Feuer, triumphierte über die Dunkelheit.

Mehrfach wollte man es den Lügdern seitens der Kirche verbieten, was aber stets am Trotz der Lügder Bürger scheiterte. Am Ende bekam das Fest, wie so oft in der Geschichte heidnischer Rituale und dem Machtanspruch der Kirche, einen christlichen Charakter.

Osterfeuer und Osterräderläufe waren übrigens auch in anderen Gegenden Deutschlands und Europa bis in das 20. Jahrhundert bekannt. Einem Bericht der Gebrüder Grimm zufolge, soll es noch zu ihrer Zeit an ungefähr 15 Orten in Mitteleuropa Feuerräderläufe gegeben haben. So z.B. in Kärnten, in England, Mittenwald in Oberbayern, Würzburg und Lünsberg bei Ramesdorf .

Johannes Böhm (Humanist) berichtet 1520 in seinem Buch: „Über das Land und viele Sitten der Franken“ aus seiner Heimat bei Würzburg:

„Zu dieser frühen Jahreszeit um Ostern kann man auch folgende Sitte beobachten: Man umwickelt ein altes hölzernes Rad mit Stroh und schaft es unter großem Auflauf der Jugend auf einen höheren Berg. Auf dieser Anhöhe feiert man den ganzen Tag über, sofern es nicht zu kalt ist, und veranstaltet allerlei Spiele. Gegen Abend legt man dann Feuer (ans Rad) und läßt es so brennend von der Höhe ins angrenzende Tal rollen. Gewiss bietet das ein bestaunenswertes Schauspiel, so daß die meisten, die derartiges vorher noch nicht gesehen haben, meinen, die Sonne oder der Mond falle vom Himmel.“

 

Brennendes Rad rollt den Abhang hinab

 


Although first mentioned in 1743, this ancient ritual is said to be hundreds of years older. An old pagan tradition: The Osterräderlauf (Easter wheel run) in Lügde. Six specially built man-high oak wheels in the form of a sun-cross/sun wheel and stuffed with straw and burning, roll down the Osterberg (formerly from various mountains down the Emmer- or Marienvalley). The more of these wheels arrive at the foot of the mountain, the better the next crop will be. Best directly into the river Emmer, which is no longer possible today. This ritual is embedded in a great celebration that once celebrated the end of the dark time (winter) and the return of the light. The light, represented by the fire, triumphed over the darkness.

Several times the church tried to ban this tradition but always failed because of the spite of the Lügder citizens. In the end, like many times in the history of pagan rituals and the Church’s claim to power, the feast was given a Christian character.

Incidentally, Easter bonfires and Easter wheel runs were also known in other areas of Germany and Europe until the 20th century. According to a report by the Grimm Brothers, there should still have been fire wheel races in about 15 places in Central Europe at that time. For example, in Carinthia, in England, Mittenwald in Upper Bavaria, Würzburg and Lünsberg in Ramesdorf.

 

 

2 Gedanken zu „Der Osterräderlauf in Lügde

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