Die Iburg-Ruine

Im Mai 2018 besuchten wir die Iburg-Ruine im Kreis Höxter. Die Ruine liegt in einem Wald oberhalb der Stadt Bad Driburg und kann heute einfach begangen werden. Ein in der Nähe gelegenes Restaurant („Sachsenklause“) lädt übrigens bei herrlichem Weitblick zum Einkehren ein.
Zur Burg: Erhalten sind diverse Mauerreste und der Bergfried, die im 20. Jahrhundert teilweise saniert wurden und aktuell auch wieder werden.

 

Bergfried der Iburg-Ruine
Der Bergfried

Klar erkennbar ist zudem eine Wallanlage, auch „Sachsenwall“ genannt, die eine Fläche von rund 4 Hektar umschließt und das „Sachsentor“, das heute allerdings nur noch als Einkerbung in jenen Wall zu erkennen ist. Die Iburg war ursprünglich eine Fluchtburg der Sachsen im 8. Jahrhundert, in der auch einst die/eine Irminsul gestanden haben soll. Die Irminsul, ein sächsisches Heiligtum, dessen Aussehen, Bedeutung und Anzahl bis heute rege diskutiert werden, wurde laut den „Annales regni Francorum“ („Annalen des Fränkischen Reiches“) von Karl dem Großen Schlächter im Jahre 772 zerstört. Die Erwähnung von„castrum Juberg“ in den Annalen wird dabei als Hinweis auf die Iburg verstanden. Manch einer meint auch, dass damit Bad Iburg bei Osnabrück gemeint sein könne, was allerdings umstritten ist.

 

Mauerreste der Iburg-Ruine
Die alten Mauerreste sind noch gut zu erkennen

 

Sachsenwall
Der Sachsenwall

Nachdem Karl die Burg erobert hatte und die obligatorische Kirche (Petrus-Kirche) errichten ließ, schenkte er die Burg im Jahre 799 der Paderborner Kirche. Für heidnische Sachsen brach nun einer schlimme Zeit voller Leid, Terror und Gewalt an. In Gesetzgebungen, wie den „Sächsischen Capitularien“ von 785 und 797 wurde zum Beispiel klar angekündigt, was mit Sachsen passieren sollte, die den heidnischen Praktiken nicht abschwören wollten: 

  Wenn irgendwer versucht sich im Volk der Sachsen zu verstecken, sich der Taufe zu entziehen und auch zur Taufe zu kommen verächtlich ablehnt und stattdessen ein Heide zu bleiben vorzieht, soll er mit dem Tode bestraft werden.

 

Auf der Iburg lebten in der folgenden Zeit u.a. Ordensschwestern, es entstand eine Ritterburg und wohlhabende Familien residierten hier. Im Jahr 1444 wurde die Burg dann durch Otto von Braunschweig zerstört und mangels Bedeutung nicht wieder aufgebaut.

 

Lageplan der Iburg mit Chronik
Lageplan der Iburg mit Chronik

Folgenden Satz las ich auf einer Tafel (s.u.) am früheren Eingang der Petrus-Kirche: „Mit der Missionierung trat unsere Heimat in die eigentliche Geschichte […] ein.“ Eigentliche Geschichte? Was war denn vor dieser Zeit? Uneigentliche Geschichte? In meinen Augen zeugt das von Respektlosigkeit unseren Ahnen, ihrer Geschichte und Sitten gegenüber. Dass die Tafel mit einer solchen Formulierung noch im Jahre 1999 angebracht wurde, spricht dabei für sich.
Ähnlich verhält es sich übrigens mit der Bonifatius-Statue in Fritzlar, die den Missionar Bonifatius mit Axt auf dem Stumpf der von ihm gefällten Donar-Eiche zeigt. Die Statue wurde ebenfalls 1999 aufgestellt.

 

Erinnerungsschild an die Missionierung

 

In Gedenken an die Zerstörung, das Leid und die Besonderheit dieses Ortes für unsere Ahnen, hielten wir ein kleines Ritual mit Blot ab, bei dem wir um Heilung, Frieden und die Gunst der Götter und der Wesen des Ortes baten. Im Schatten der Bäume, bei leichtem Wind und ziemlicher Stille, war das ein sehr schöner, friedlicher Moment.

 

Othala-Rune aus Fundästen im Steinkreis mit Blot-Horn
Othala-Rune aus Fundästen im Steinkreis mit Blot-Horn

Die Iburg ist übrigens einer der Schauplätze in „Dreizehnlinden“, einem Epos von Friedrich Wilhelm Weber, das den Endkampf zwischen Franken und Sachsen, zwischen dem aufblühenden Christentum und dem zurückgedrängten Heidentum im Nethegau schildert.

Der Absatz mit Bezug zur Iburg lautet:

 

Rings der Wälder tiefes Schweigen!
Aus des Tales Nebelhülle
Hob die Iburg ihren Scheitel
In die sternenklare Stille:

Alter Hain, aus dessen Wipfeln
Sonst die Irminsäule ragte,
Die zum Schmerz und Schreck der Sachsen
König Karl zu brennen wagte;

Götterstätte, jetzt umwuchert
Von Gestrüpp und wilden Ranken
Und als Wohnort dunkler Mächte
Scheu gemieden von den Franken.

Lieblich war die Nacht, die kurze,
Vor dem Tag der Sonnenwende;
Auf der Iburg stumpfem Kegel
Flackerten die Opferbrände;

Auf der Iburg stumpfem Kegel
Hatten sich zum Balderfeste
Fromm geschart die Heidenleute,
Gaugenossen, fremde Gäste.

Unter Eichen auf dem Rasen
Stand der Opferstein, der graue,
Neben ihm mit blut’gem Messer
Eine riesenhafte Fraue:

Swanahild, die greise Drude,
Ihres Priesteramts zu walten,
Erzgegürtet; weißes Linnen
Floß um sie in reichen Falten.

 

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