Die Nornen

Tiefer Glaube und volles Vertrauen in Urd (Altnordisch Urðr, „Schicksal/Vergangenheit“), Verdandi (Altnordisch Verðandi, „das Werdende“) und Skuld (Altnordisch Skuld, „das, was sein muss/soll“). Die Nornen. Ich liebe sie.

Als Schicksalsweberinnen sitzen sie am Fuße der Weltenesche Yggdrasil, wo auch die Götter Rat halten und sich selbigen, nebst Urteilen, bei den Nornen holen. Mit dem heiligen Wasser des Urdarbrunnens gießen die Nornen die Weltenesche jeden Tag, damit sie lebt, stark bleibt und seinen Widersachern trotzen kann. Die Nornen weben die Geschicke der Götter und der Menschen. Sie weben die Fäden des Schicksals, die Frigg spinnt und schneiden sie auch ab. Uns Menschen bringen sie daher Heil und Unheil und definieren im Wyrd (Schicksal) unsere Lebenszeit. Das geschieht direkt bei der Geburt, denn erblickt ein Kind das Licht der Welt, so sind auch die Nornen anwesend und geben dem neuen Menschen sein Schicksal auf. 

Übrigens: Der erste Mahlzeit der Wöchnerin wurde „Nornengrütze (Nornagreytur, isl.) genannt, womit vermutlich ein Opfer an die Nornen gemeint ist. Andere Überlieferungen besagen, dass mit „Nornengrütze“ die erste Muttermilch gemeint war und Mütter seinerzeit den Nornen von ihr opferten, um sie milde zu stimmen. In beiden Varianten jedenfalls ein Opfer an die Nornen für das Neugeborene.

In der Aufgabe des Schicksals für uns Menschen liegt auch der entscheidende Punkt in Bezug auf den eigenen Handlungsspielraum und den der Götter in unserem Leben. Natürlich können wir im Leben freie Entscheidungen treffen und unser Schicksal zu gewissen Teilen in die eigenen Hände nehmen. Ebenso können und sollten wir die Götter um Kraft, Schutz und Segen für unsere Anliegen bitten, die inner- und außerhalb unseres eigenen Einflussbereiches liegen. Sie werden uns helfen! Allerdings gibt es Dinge, die selbst die Götter mit all ihrer Kraft und Weisheit nicht zu ändern vermögen. Dinge, die in unserem Wyrd feststehen. Der Tod ist so ein Beispiel. Jeden von uns wird er ereilen. Die Frage ist nur, wann es passieren wird. Hier haben wir, haben die Götter, Spielräume und können dafür sorgen, dass er uns möglichst schwer und spät erreicht. Wenn er aber kommt, dann kommt er. Zum Tod habe ich hier etwas geschrieben.

Es ist also eine niemals endende Aufgabe in unserem täglichen Leben, zu erfahren, wo unsere Einflussnahme und die noch viel größere Einflussnahme der Götter endet, weil das Wyrd dort feststeht. Ein Prozess, der uns alle ein Leben lang begleitet.

 

Die Nornen Urd, Werdanda und Skuld unter der Weltenesche Yggdrasil
Die Nornen Urd, Werdanda und Skuld unter der Weltenesche Yggdrasil von Ludwig Burger (1882, gemeinfrei)

 

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