Runen

Runen bildeten die Schrift- und Lautzeichen der Germanen. Auch als Zahl, nur für einen Begriff (dessen Namen sie tragen) stehend oder als magische Zeichen finden und fanden sie in verschiedenen Formen, bzw. Runenreihen (Futharks) Verwendung.

Wikipedia sagt uns zum Thema Futhark: „Als Futhark oder Fuþark bezeichnet man die gemeingermanische Runenreihe und die aus ihr hervorgegangenen Variationen. Da die Reihenfolge der Runen seit den frühesten Zeugnissen in der Form überliefert ist und sich von der Reihenfolge des Alphabets (ABC) unterscheidet, dienen die ersten sechs Runen (F–U–Þ–A–R–K) traditionell als Benennung der Runenreihe.“

In einigermaßen festgelegten Standards existieren das ältere Futhark (24 Zeichen), das angelsächsische Futhorc (bis zu 33 Zeichen) und das jüngere Futhark (16 Zeichen).
Das Armanen-Futhark des österreichischen Esoterikers Guido von List (1848–1919), das angeblich seit Urzeiten von den sogenannten „Ariogermanen“ verwendet wurde, möchte ich hier nur der Vollständigkeit halber erwähnen, da es keine ernsthafte Rolle für mich spielt, einige der 18 Runen dieser an das jüngere Futhark angelehnten Runenreihe allerdings immer wieder mal auftauchen.

Für mich persönlich spielt das ältere Futhark eine zentrale Rolle und es ist aufgrund seiner weitreichenden Verbreitung auch als gemeingermanisches Futhark bekannt (s.o.). Es unterteilt sich in drei Teile zu je acht Runen. Diese „Teile“ werden Ættir, (sg.) Ætt also „Geschlecht“ oder „Sippe“ genannt und sind auf den Brakteaten (einseitig geprägte Münzen oder Medaillen aus Metallblech, die bei den Germanen weite Verbreitung fanden) von Vadstena und Grumpan (um 500 u.Z.) belegt.

Die drei Ættir werden oft unter den Namen Týs Ætt, Hagals Ætt und Freys Ætt aufgeführt. Hier gibt es allerdings die Kritik, dass die hier genannten Götternamen zu diesen Zeiten so nicht bekannt waren, da aus einer späteren Zeit stammend und somit als solche Benennungen unzutreffend seien. Sind die Namen der Ættir also vielleicht umstritten, so sind es die Ættir selbst samt Inhalt nicht.

Sie bilden sich wie folgt:

  1. Ætt: ᚠ fehu, ᚢ uruz, ᚦ thurisaz, ᚨ ansuz, ᚱ raido, ᚲ kenaz, ᚷ gebo, ᚹ wunjo
  2. Ætt: ᚺ haglaz – ᚾ  naudiz – ᛁ  isaz – ᛃ  jera – ᛇ  ihwaz – ᛈ  perthro – ᛉ  elhan – ᛊ  sowilo
  3. Ætt: ᛏ  tiwaz – ᛒ  berkanan – ᛖ  ehwaz – ᛗ  mannz – ᛚ  laguz – ᛜ  ingwaz – ᛞ  daguz – ᛟ  othila

Den drei verschiedenen Ættir werden oft auch bestimmte Themengebiete (Leben, Fruchtbarkeit, Wachstum,  Wiedergeburt, etc.) zugeordnet. Manche unterteilen sie auch nach erschaffenden, beschützenden und zerstörerischen Kräften. Ich kann an diesen Einteilungen nicht viel anfangen, da sie mir nicht schlüssig erscheinen und die Runen  zudem auch nicht immer in das entsprechende Ættir passen.

Runen wurden von unseren Ahnen vor allem als Markierung genutzt und Besitz aber auch Erinnerungsgegenstände (Grab-, bzw. Runensteine) mit ihnen besetzt. Zur Alltagskommunikation wurden sie, bis auf wenige Ausnahmen, nicht genutzt. Bei der heutigen Nutzung ist daher vieles möglich, da wenig gewiss ist. Da als Lautsprache bekannt verzichtet man beim Schreiben auf stumme Konsonanten und Doppel-Buchstaben. Nicht existente Laute, wie z.B. das „X“ werden umschrieben. So wird aus der „Theorie“ die „Teori“, aus der „Praxis“ die „Praksis“ und aus „Essen“ das „Esen“. Natürlich schreiben manche anders und da es keinen urgermanischen Duden gibt, der für Klarheit sorgen könnte, ist das natürlich auch ok.

Bei der Arbeit mit Runen (Runen ziehen, Runen legen, Runen werfen, etc.) ist jeder selbst gefragt. Hier gibt es zig Bücher, die einem erklären wollen, welche Rune wann genau was zu bedeuten hat. Ich halte das für unverantwortlich, da ich fest davon überzeugt bin, dass nur jeder selbst herausfinden kann, was die Rune einem sagen möchte.
Ich bitte das nicht mit den grundsätzlichen Attributen einer jeden Rune zu verwechseln. Jede Rune hat natürlich ihre Bedeutung (z.B. Othala: Natur, Ursprung, Familie, Erbe, Hagalaz: Winter, Hagel, Naturgewalt, Erneuerung, Offenbarung, Berkana: Frühling, Birke, Fruchtbarkeit, Wachstum, Verwirklichung, etc.). Was sie jedoch für einen persönlich zu einem gewissen Zeitpunkt in einer ganz speziellen Situation bedeuten mögen, vermag meines Erachtens kein Buch zu sagen.

Wer sich also mit Runen beschäftigen möchte, sollte das vielleicht anfangs einmal ganz unbedarft tun und sich den Runen völlig ohne „Vorkenntnisse“ nähern. Sie einfach ansehen, erfühlen oder ertasten (je nachdem in welcher Form sie einem vorliegen oder erschaffen wurden). Wenn man sich dann die einzelnen Attribute erliest, wird aus der Kombination der eigenen Wahrnehmung und der Grundeigenschaften der Runen etwas ganz Persönliches, ja vielleicht sogar etwas Magisches, das uns im täglichen Leben hilft, Dinge einzuschätzen, Kraft zu erhalten oder sich auf Kommendes vorzubereiten. Ganz wie wir es persönlich empfinden. Erkenne dich selbst, die Runen weisen!

Abschließend noch ein Blick in die Edda, die uns berichtet, dass Allvater Odin sich auf der Suche nach Weisheit einst selbst opferte und neun lange Tage und Nächte, ohne Essen und Trinken, verwundet durch seinen eigenen Speer, an einem Zweige Yggdrasils hing, bis sich ihm die Runen offenbarten.

Zu lesen in Odins Runenlied (Hávamál, 139-142)

139

Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum
Neun lange Nächte,
Vom Sper verwundet, dem Odhin geweiht,
Mir selber ich selbst,
Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann
Aus welcher Wurzel er sproß.

140

Sie boten mir   nicht Brot noch Meth;
Da neigt’ ich mich nieder
Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend:
Endlich fiel ich zur Erde.

141

Hauptlieder neun lernt ich von dem weisen Sohn
Bölthorns, des Vaters Bestlas,
Und trank einen Trunk des theuern Meths
Aus Odhrörir geschöpft.

142

Zu gedeihen begann ich und begann zu denken,
Wuchs und fühlte mich wohl.
Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort,
Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.

143

Runen wirst du finden und Rathstäbe,
Sehr starke Stäbe,
Sehr mächtige Stäbe.
Erzredner ersann sie, Götter schufen sie,
Sie ritzte der hehrste der Herscher.

 

Nebelwald und Runen

 

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