Musik: Draugurinn

Musik und Heidentum ergeben für mich eine spannende Kombination, weil beides in meinem Leben eine wichtige Rolle spielt und es in beidem verschiedene Richtungen gibt. Am meisten verbreitet dürfte dabei wohl der Pagan- oder Viking-Metal sein. Da mich diese Richtung allerdings nicht anspricht und ich von den Bands und dem Genre somit keine Ahnung habe, findet dieser Bereich in meinem Blog auch nicht statt. Sorry dafür. Für mich sind Akustik-Gitarre, Folk und Ambient die wichtigsten Richtungen, die heidnische Inhalte transportieren. Um letzteres Genre geht es heute: Ambient, bzw. Ritualistic Dark Ambient, wenn man der Bezeichnung des Labels von Draugurinn folgt.

Disa mit Rufhorn
Der Mensch: Disa

Draugurinn (isländisch für „Der Geist“) ist ein Solo-Projekt, das die schwedische Künstlerin Disa im Winter 2008 ins Leben rief. Die Musik ist das Ergebnis ritueller Handlungen, bei denen Schamanen-Trommeln, Knochen, Naturgeräusche und Gesang als Instrumente fungieren. Die gesamte Musik ist dabei von ihr selbst komponiert und eingespielt. Inspiration findet Disa in der Weisheit der Natur, der Alten und unter den Schatten, wie sie schreibt. Sie ist eher ein zurückgezogen, naturnah lebender Mensch, der mit der „modernen Welt“ nicht viel anfangen kann. Als passionierte Läuferin ist sie viel in der Natur Schwedens und Islands unterwegs, wo sie Kraft und Inspiration schöpfen kann. Bereits mit etwa 11 Jahren begann Disa Musik zu machen und gründete etwas später eine Punk-Band. Durch die Musikalität ihres Vaters hatte sie seit jeher Kontakt zu Instrumenten und zur Musik. Mit der Zeit widmete sie sich zunehmend ihren eigenen Projekten, die von Black-Metal über Dark Ambient bis hin zum klassischen Klavier reichen. Ihre Projekte tragen Namen wie NIÐURDREPANDI, KORPOBLOD, MURMURS oder eben DRAUGURINN.

Das Projekt: Draugurinn

Die dunkle, rituelle Musik Draugurinns ist das Ergebnis ihrer rituellen Praxis, bei der sie ihr als spirituelles Werkzeug dient. Pur und ohne künstliche Anpassungsversuche fließen ihre rituellen Ergüsse in die Musik ein. Ihre Erfahrungen spiegeln sich so in ihrer Musik wieder, was jedoch nicht heißt, dass dies ein Dogma für den Hörer sein soll. Im Gegenteil: Der Hörer soll seine eigenen Erfahrungen sammeln, während er die Musik hört. „Ich habe meinen Weg und meine Wahrheiten, und es ist an den Hörern, ihre eigenen Wege und Wahrheiten zu finden…“ so die Schwedin in einem ihrer eher seltenen Interviews. Ähnlich äußerte sich übrigens auch Runahild aus Norwegen zu ihrer Folk-Musik, die allerdings deutlich leichter und weniger düster daher kommt. Die Schaffenszeit von neuer Draugurinn-Musik ist eher kurz und dafür sehr intensiv, was ich persönlich sehr gut nachvollziehen kann. So ist es, wie oben angedeutet, auch Disas  Wunsch, dass Menschen, die ihre Musik hören, es schaffen, sich darin zu versenken und sich selbst ein Stück näher zu kommen. Der schamanische Gedanke ist klar erkennbar.
Live ist Draugurinn leider eher selten zu bewundern und wenn, dann nur zu besonders ausgewählten Veranstaltungen, bei denen der Rahmen stimmt. So z.B. das Midgardsblot, das Slaktmånad oder das Tredingsriten.

Die Musik: Alben und Auftritte

Stand Mai 2019 gibt es fünf Alben von Draugurinn: Dauðadá (2010), Myrkraverk (2011), Móðuharðindin (2012), Ísavetur ‎(2015) und das recht frische Spíra (2018). Beim Erstlingswerk „Dauðadá“ ist immer wieder noch deutlich die E-Gitarre rauszuhören, was bei den folgenden Alben nicht mehr der Fall ist. Ich finde: Zum Glück.
Wer sich mit Dark Ambient beschäftigt, weiß, dass es sich hierbei nicht um typische Musikalben mit 3-4 minütigen Songs handelt, sondern um lang getragene Klangwelten, Emotionen und Stimmungen. Hier entscheidet sich auch für die meisten, ob diese Alben für jemanden überhaupt interessant sind oder einen doch eher langweilen. Ich persönlich mag die Musik sehr, die Disa mit ihrem Projekt macht und wenn man die Zeit und die richtige Stimmung hat, kann man (gerade mit Kopfhörern) geradezu in sich reisen. Wer wirklich in der Lage ist, sich fallen zu lassen und diese Musik über sich kommen zu lassen, wird ein phantastisches Erlebnis haben. Ob schamanisches Trommeln, dunkle Bass-Sphären oder geblasenes Horn: Alles zusammen lässt einen sich selbst ein Stück näher kommen. Umgeben von dieser Musik fühle ich mich geradezu zuhause. Ganz tief, ganz innig, ganz persönlich. An einem innersten Ort.

Als Anspieltipp könnte man vielleicht Þurizas (Youtube Link) vom Album Myrkraverk nennen, wobei das Anspielen hierbei schon der Fehler sein könnte. Man wird keinen melodischen Refrain finden, keinen „catchy“ Rhythmus, der einem sagt, ob das Lied etwas für einen sein könnte oder eher nicht. Man muss das ganze Album hören, mit Zeit, Offenheit und der Bereitschaft es über sich kommen zu lassen. Und anhören geht am besten hier:

Bandcamp
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Label Nordvis

 

 

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