Heilung auf dem Autumn Moon Festival 2019

Während des Jul-Blots 2018 bekam ich den Hinweis, dass Heilung auf dem Autumn Moon Festival 2019 spielen würden. Offiziell stand zu diesem Zeitpunkt noch nichts auf der Homepage, aber der Tipp sollte sich als richtig herausstellen. Also kaufte ich direkt zwei Wochenendtickets, da unklar war, an welchem Tag die Band spielen würde. Im Nachhinein hätte es sicherlich schlauere Möglichkeiten gegeben, aber zu diesem Zeitpunkt ging es halt nur so, wenn ich sicherstellen wollte, sie live zu erleben.

Die Bühne der Rattenfängerhalle auf dem Autumn Moon Festival

Das Festival

Am Wochenende um den 19. Oktober war es dann soweit. Wir waren bereits am Freitag nach Hameln gereist und hatten das Festival auf uns wirken lassen. Nun muss ich zugeben, dass ich mit „schwarzer Musik“, wie sie auf dem Autumn Moon gespielt wird, so gar nichts anfangen kann. Auch wenn ich Bandnamen wie „Das Ich“, „Goethes Erben“, usw. schon mal gehört habe, so ist die Musik so gar nicht meine Welt. Das gleiche sagte mancher Festivalbesucher übrigens über Heilung. Der große Mittelaltermarkt mit Bühne draußen vor der Halle hätte mir persönlich eigentlich schon gereicht. Trotzdem bleibt zu sagen, dass das Festival sehr gut organisiert und die Leute (Besucher wie Crew) sehr freundlich und sympathisch waren. Das sollte man wirklich erwähnen. 

Das Konzert

Am Samstagabend um ca. 21 Uhr sollte es dann losgehen. Im Vorfeld wurde mir gesagt, dass Kai-Uwe Faust (Sänger, Songwriter der Band) sich etwas über die zu kleine Bühne mokiert hatte, was aber am Ende, zumindest aus Zuschauersicht, kein großes Problem sein sollte. Heilung sprechen bei ihren Konzerten ja eher von Ritualen und hatten im Vorfeld verlauten lassen, dass ca. eine Stunde Spielzeit etwas knapp sei. Aber wenn man sich dann entscheidet, das Festival zu spielen, muss es ja auch irgendwie funktionieren. Auffällig war die aufwendige und umfangreiche Bühnengestaltung, die, neben der Kleidung der Künstler und den archaischen Instrumenten für die richtige Atmosphäre sorgte. Vom Band kamen anfangs Naturgeräusche (Vogelgezwitscher, Grillenzirpen, Windgeräusche, etc.), sodass man sich mit geschlossenen Augen einen Thing- oder Ritualplatz vorstellen konnte. Dann ging es los. Mit all ihren mächtigen Instrumenten (ich habe zu Heilung hier mal etwas geschrieben) ließen sie die Rattenfängerhalle erbeben und das Ritual beginnen. Song für Song mit vielen improvisierten Parts nahm das Ritual seinen Lauf und zog die Zuschauer in ihren Bann. Kämpferinnen und Kämpfer betraten mit Schilden und Speeren die Bühne (ich glaube hierauf war die Problematik der kleinen Bühne bezogen) und riefen mit dem Rest der Gruppe Schlachtgesänge, stampften die Füße auf und ließen die Speere auf den Bühnenboden donnern. Wow. Treibende Rhythmen, Marias lieblicher Gesang und Kai-Uwes Schreie und Rufe namen einen mit und die Zeit verging wie im Flug. Als das Ritual endete, stand man wirklich etwas fassungslos (im positivsten Sinne) da. Man landete im hier und jetzt, sah sich um und realisierte, dass man ja „nur“ auf einem Festival ist. Es war eine kleine Entführung des Geistes und des Herzens in alte, vergangene Zeiten. Tief hin zurück, zu den Wurzeln, die wir selber kaum noch kennen.

Heilung während des Rituals

Positiv aufgefallen ist mir auch, dass trotz ordentlichen Bier-Konsums und typischer Festivalstimmung die ruhigen und stillen Passagen des Sets nicht durch unpassendes Gegröle gestört wurden. Auch fand ich es toll, dass vergleichsweise wenig Handys zu sehen waren. Sicher, hier und dort mal ein Foto, woher sollte ich sonst auch meine Bilder haben, aber im wesentlichen ernsthafte Konzentration auf das Ritual. Ich frage mich, wie das bei großen Open Air Festivals (Hellfest, etc.) funktioniert, wo das Publikum noch gemischter ist und im Vergleich zur Halle viel Sound verloren geht.

Fazit

Wie dem auch sein, am Ende bleibt mit als Fazit nur, dass ich besser gewartet hätte, um Heilung eine Woche später in Essen zu sehen, wo sie ein komplettes Konzert gespielt haben, was zum Zeitpunkt meines Kartenkaufes allerdings noch nicht feststand. Auch hätte ich mir das Lied „Traust“ sehr gewünscht. Nun ja, das sind alles Kleinigkeiten, denn unter dem Strich bin ich sehr froh, die Gelegenheit genutzt zu haben, diese Gruppe einmal live zu sehen. Und da ich direkt vor dem Konzert noch die Caro vom Eldaring Herd Nordhessen traf, konnte man direkt etwas fachsimpeln.

Ein sehr schöner, bewegender Abend, der länger nachwirken sollte.

 

 

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