Helheim

Helheim (altnordisch Helheimr), Reich der Toten, bewohnt und beherrscht von Hel, Tochter des Loki. Vermutlich ist sie Namensgeberin für das englische Wort „hell“ (deutsch „Hölle“). Übersetzt bedeutet Hel so viel wie „versteckt, verborgen“ (vergl. das Verb „verhehlen“). Allerdings war unseren Ahnen der Begriff „Hölle“ in dieser christlichen Interpretation wohl eher unbekannt. Die tollkühnen Krieger kamen als Einherjer (altnord. „der allein Kämpfende“, „ehrenvoll Gefallener“) zu Odin nach Walhalla oder zu Freya nach Folkwang. Die an Krankheit oder Altersschwäche, also den „Strohtod“ Gestorbenen, gingen hingegen zur Hel. Damit war Hel vielleicht nicht so glanz- und ruhmvoll wie Odins oder Freyas goldene Hallen, aber eine Hölle der Pein und Bestrafung war es eben auch nicht.

Helheim wird von einem Fluss namens Gjöll umgeben, über den die goldene Brücke Gjallarbrú führt, die wiederum von der jungfräulichen Riesin Modgudr bewacht wird. Der Hund Garm haust in der Höhle Gnipahellir (deutsch: überhängende Höhle) und bewacht von dort das Tor zu Hels Reich und empfängt die die Neuankömmlinge mit lautem Gebell.

Hels Wohnsitz in Helheim nennt sich Eljudnir (Elend) und ihr Tisch heißt Hungr (Hunger), ihr Messer Sultr (Verschmachtung) und ihre Türschwelle Fallandaforad (fallende Gefahr). Ihr Bett heißt Kor (Sarg) und ihr Bettvorhang Blikjandabol (blinkendes Unheil). Die Magd Ganglot (Trägtritt) und der Knecht Ganglati (Langsamtritt) bedienen sie.

Einerseits ist Helheim trostlos und düster, andererseits auch ein lebendiger und wärmender Ort. Verbrecher, wie Räuber, Mörder und Betrüger, aber auch Lügner werden dort Hunger, Kälte und Schmerzen leiden. Hel ist allerdings nicht nur kalt und grausam, sondern auch gerecht. Nett und liebenswert den einen, unerbittlich und grausam den anderen gegenüber. Somit vereint sie scheinbare Gegensätze in sich, was sich auch in ihrem äußeren Erscheinungsbild widerspiegelt.

In spätisländischen Quellen werden unterschiedliche Beschreibungen von Hel gegeben und verschiedene Personen werden als mit Gegenständen begraben beschrieben, die ihre Reise zur Hel nach ihrem Tod erleichtern sollten. In der Edda wird Brynhyldrs Reise zur Hel nach ihrem Tod beschrieben und auch Odin besucht Hel mit seinem Pferd Sleipnir. Auch geht Balder nach seinem Tod zur Hel und sein Bruder Hermod reitet auf Sleipnir zu ihr, um ihn zu zurückzuholen.

Im deutschsprachigen Raum gab es nach Mannhardt (deutscher Volkskundler, Mythologe und Bibliothekar ᛉ 26. März 1831 in Friedrichstadt; ᛦ 25. Dezember 1880 in Danzig) bis ins 10 Jahrhundert einen Holda/Hulda (Holle) Volksglauben, der auch das Totenreich umfasste. Holda soll demnach unter dem Wasser eines Brunnens einen schönen Garten besitzen, in dem die schönsten Blumen blühen und die saftigsten Früchte reifen. Hier im Brunnen des himmlischen Gewässers nimmt Holda die Seelen der Verstorbenen in Empfang und sendet sie wiedergeboren als Kinderseelen auf die Erde zurück. 

Daher entstand einerseits die Sage, dass es einen gewissen „Jungbrunnen“ oder „Quickborn“ gebe, andererseits liegt hier der Ursprung des Glaubens, dass die Seelen der neugeborenen Kinder aus dem Brunnen kommen.
Er vermutete weiter, dass Hel dann eine Hypostase der großen Göttin wurde, welche im himmlischen Gewässer die Seelen ohne Unterschied um sich versammelte. Erst als man später eine Unterscheidung zwischen den Toten machte und es verschiedene Wohnsitze für die verschiedenen Kategorien gab, lokalisierte man den Brunnen der Göttin in Bezug auf die Bösen und die nach untätigem, ruhmlosen Leben dahingegangenen Geister auf oder unter der Erde, als eine Art Strafort.

 

English:

Helheim (Old Norse Helheimr), realm of the dead, inhabited and dominated by Hel, daughter of Loki. Presumably, she is named after the English word „hell“ (German „hell“). Translated, Hel means as much as „hidden“. However, our ancestors probably did not know the term „hell“ in it’s Christian interpretation. The daring warriors went to (Old Norse „the only fighting“, „honored fallen“) Walhalla (Odin) or Folkwang (Freya) as Einherjer. On the other hand, those who died of illness or old age, ie the „straw death“, went to Hel. Hel was perhaps not as glamorous and glorious as Odin or Freya’s golden halls, but it also was not a hell of anguish and punishment.

Helheim is surrounded by a river called Gjöll, over which leads the golden bridge Gjallarbrú, which is guarded by the virgin giant Modgudr. The dog Garm lives in the cave Gnipahellir (English: overhanging cave) and guards the gate to Hels realm and welcomes the newcomers with loud barking.

Hel’s home in Helheim is called Eljudnir (misery) and her table is Hungr (hunger), her knife is called „Famine,“ the entrance threshold „Stumbling-block,“ the bed „Sick-bed“ and the curtains „Gleaming-bale.“ The maid Ganglot (Old Norse „lazy walker“) and the servant Ganglati (also „lazy walker“) serve her.

On the one hand Helheim is bleak and gloomy, on the other hand a lively and warming place. Criminals, such as robbers, murderers and swindlers, but also liars will suffer from hunger, coldness and pain. Hel is not only cold and cruel, but fair, kind and lovable to others. Thus, she combines apparent opposites in herself, which is also reflected in her outward appearance.

In later Icelandic sources different descriptions are given by Hel and various persons are described as buried with objects that should facilitate their journey to Hel after their death.
The Edda describes Brynhyldr’s journey to Hel after her death, and Odin’s visit at Hel with his horse Sleipnir. Balder also goes to Hel after his death and his brother Hermod rides to Helheim on Sleipnir to bring him back.

In the German-speaking world Mannhardt (German folklorist, mythologist and librarian ᛉ March 26, 1831 in Friedrichstadt, ᛦ December 25, 1880 in Gdansk) said, that to the 10th century a Holda / Hulda (Holle) folk belief existed, which also included the realm of the dead. Holda is said to have a beautiful garden under the water of a fountain in which the most beautiful flowers bloom and the juiciest fruits ripen. Here in the well of the heavenly waters, Holda receives the souls of the deceased and, born again, sends them back to earth as children’s souls. Hence, on the one hand, there was the legend that there is a certain „fountain of youth“ or „quickborn“, on the other hand, here is the origin of the belief that the souls of the newborn children come from the well. He further surmised that Hel then became a hypostasis of the great goddess, who gathered the souls without distinction in the heavenly waters. Later, when making a distinction between the dead and having different residences for the different categories, one localized the fountain of the goddess in terms of the bad ones and the spirits gone to idle, inglorious lives on or under the earth, as a kind of penalty place.

 

Tor zu Helheim

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