Hör auf dein Herz!

Jeder, der sich erstmalig mit dem Heidentum befasst und sich zu den Göttern hingezogen fühlt, hat verständlicherweise zahlreiche Fragen. Meistens werden die vielen Foren des Internets besucht, um Kontakte zu knüpfen und Antworten zu bekommen. Dabei sind manche Foren besser geeignet und manche weniger. Da ich allerdings nicht bewerten möchte, sollte jeder selbst herausfinden, wo er die wertigste Hilfe und Unterstützung erfährt. Man merkt eigentlich recht schnell, wo man ernst genommen wird und inhaltlich weiter kommt und wo mehr Schein als Sein herrscht.

Wie nehme ich Kontakt zu den Göttern auf? Wie opfere ich? Wann genau sind die Feiertage? Was muss ich tun? Typische Fragen, die gerade anfangs immer wieder aufkommen. Daher stelle ich beim stillen Mitlesen in Foren manchmal fest, dass die Antworten seitens der erfahrenen Foren-User nicht selten knapp, scherzhaft oder in anderer Weise wenig hilfreich sind. Das ist schade, denn jeder Mensch, der sich für die alten Götter interessiert, sollte uns Heiden von Herzen freuen. Aus diesem Grund wäre daher manchmal keine Antwort sogar besser als der ein oder andere wenig hilfreiche Kommentar. Diejenigen, die sich gut in der Materie auskennen, sollten auch nicht gleich ihr geballtes Fachwissen über dem Neuling ausschütten. Weniger ist gerade anfangs manchmal mehr.

Eine weitere Quelle für Antworten sind natürlich Bücher, und davon gibt es reichlich. Der Markt ist voll mit Schriften über die Götter, die Runen und das Brauchtum, was einerseits erfreulich ist, einen aber auch mit der Fülle an Themen und Informationen schier „erschlagen“ kann. Zudem gilt: Wo viel ist, ist auch viel wenig Hilfreiches, um es einmal freundlich auszudrücken. Von völkisch angehaucht bis hin zu offen rassistisch findet sich so manches Buch, mit dem das Heidentum politisch instrumentalisiert werden soll. Wer das Heidentum aber lebt und studiert, wird sehr schnell feststellen, dass es für völkisch-rassistische oder nationalistische Propaganda eigentlich gar nicht taugt. Weder Gottheiten, noch Überlieferungen bieten auch nur ansatzweise brauchbares Material für menschenfeindliche Positionen. Daher sollte man vor dem Bücherkauf genau schauen (und vielleicht auch etwas recherchieren), aus welcher „Ecke“ Autor und Buch stammen. Das spart Zeit und Geld.

Grundsätzlich ist es so, dass es „das“ Heidentum als homogene Glaubensgemeinschaft nicht wirklich gibt. Selbst wenn man das Heidentum auf Asatru, also das germanische (Neu)-Heidentum beschränkt, gibt es zahlreiche Interpretationen, Vereine, Webseiten und Gruppen, die sich in diesem Bereich tummeln. Dazu aufgeteilt in Männlein, Weiblein, extrovertiert, introvertiert, in Tunika mit Wikingerschuhen oder in Jeans mit Sneakers. Wichtig dabei ist, dass man sich selbst treu und den Göttern, Ahnen und Wesen gegenüber offen bleibt. In meinen Augen geht es weder um schicke Runen-Shirts, Wikinger-Gewandungen, noch um martialische Tätowierungen. Es geht vielmehr um Wahrhaftigkeit, um Nähe, um ein Leben mit den Göttern, Ahnen und Wesen. Das kann man nicht darstellen. Man kann es nur (er)leben.

Das Wichtigste zum Schluss

Wenn ich einem Menschen, der die Götter und das Heidentum erfahren möchte, einen Rat geben dürfte, dann diesen: Nimm dir Zeit, Zeit und nochmals Zeit. Horche in dich hinein, fühle die göttliche Nähe und lasse deiner Intuition freien Lauf. Mit dir passiert etwas Wundervolles, und Ruhe, Innigkeit und Intuition sind die Basis dafür. Das „wie“, „wo“ und „wann“ kommt später Stück für Stück hinzu. Wenn du bereit bist, diesen Weg weiterzugehen und du dafür etwas Inspiration und vielleicht auch eine Art roten Faden suchst, dann helfen dir z.B. diese beiden Nachschlagewerke mit zahlreichen Ideen, Informationen und Anleitungen weiter: Zum einen das Ritualbuch (kostenloser Download als PDF) des Eldaring und zum anderen Das Heilige Fest vom Verein für Germanisches Heidentum e.V. (VfGH). In beiden Büchern betonen die Autoren, dass es sich mit ihren Schriften um entwickelte und gesammelte Ideen zur Inspirationen handelt und nicht um dogmatische Vorlagen, die vorgeben, wie ein Ritual exakt zu sein hat und schon gar nicht, wie es früher einmal abgelaufen ist. Diese Gestaltungsfreiheiten bereichern und beleben das Heidentum.

Nimm dir Zeit, gehe in dich, hör auf dein Herz. Die Götter sind da.

Abschließend ein paar Zeilen aus Friedrich Wilhelm Webers Epos „Dreizehnlinden“. Hier spricht die weise Wala (Wala = in der germanischen Mythologie eine Seherin, Wahrsagerin, Hexe, Zauberin, Prophetin oder Schamanin) zum Mittsommer-Opfer:

 

„Naht in Ehrfurcht, naht in Andacht,
Und was unhold, bleibe ferne;
Unsre Zeugen sind die Götter,
Stummer Wald und stille Sterne.

Fern sei jeder Ungezwagte*;
Wollt ihr opfern, wollt ihr beten,
Reiner Hand und reinen Herzens
Sollt ihr vor die Ew’gen treten…“

* = Ungewaschene

 

Opfergabe nach einem Ritual in der "Drudenhöhle", wo jene weise Wala einst gelebt und gewirkt haben soll.
Opfergabe nach einem Ritual in der „Drudenhöhle“, wo jene weise Wala einst gelebt und gewirkt haben soll

 

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