Der Julbaum

Rechtzeitig zum Julfest habe ich dieses Jahr einen kleinen Julbaum gekauft und ihn nach meinen Bedürfnissen geschmückt. Mit dem Ergebnis bin ich wirklich zufrieden und ich erfreue mich jeden Tag an seinem Anblick. Damit hat er etwas Grundlegendes schon mal geschafft: Freude schenken. Was aber ist ein Julbaum eigentlich, wo kommt er her und wie ist er entstanden?

Den Julbaum kennt man auch unter den Namen „Kenkenbuum“ (Amrumer und Föhrer Friesisch), „Jöölboom“ (Sylter Friesisch) oder einfach „Friesenbaum“. Diese Namen verraten natürlich schon etwas über seinen Ursprung, denn er kommt von den nordfriesischen Inseln. Dort entstand er aus einer Not heraus. Aufgrund der wenigen Bäume auf den Inseln war gar nicht daran zu denken, jedes Jahr einen Tannenbaum zu schlagen. Daher musste eine Alternative her und man erschuf den Julbaum aus angespültem Treibholz. Er wurde mit Immergrün und Salzgebäck geschmückt und man konnte ihn sogar jedes Jahr aufs Neue verwenden. Von der Symbolik her verkörperte er, wie der klassische Tannenbaum, die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Winters und die Wiederkehr des Lichtes und des lebensspendenden Frühlings.

Mein kleiner Julbaum

Beim Julbaum handelt es sich also um eine hölzerne Variante des klassischen Tannenbaums, bestehend aus einem Holzständer mit 3-4 Querstreben (je nach Größe) und einer im Bogen darüber verlaufenden Leiste. Dieser Bogen erinnert mit seinen Streben an das Sonnenrad, das zur Zeit der Wintersonnenwende eine wichtige Rolle spielt. Den Julbaum gibt es in unterschiedlich großen Varianten (meist ca. 50 cm groß) und oftmals auch mit vier Kerzen darauf. Die Kerzen kamen aber wohl erst mit der Verbreitung des Adventskranzes hinzu.
Geschmückt wird er mit Efeu, Kiefern- oder Buchsbaumzweigen, sowie dem „Kenkentüch“. Dabei handelt es sich um Tiersymbole (Schwein, Rind, Schaf, Fisch, etc.), getrocknetes Obst und Symbole der Arbeit (Schiff, Mühle, etc.). Alles Dinge, die seinerzeit sehr wichtig für die Menschen waren und deren Symbole auch etwas repräsentieren. So steht das Pferd für Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit und ein Hund z.B. für Treue. Schiffe und Mühlen stehen für die seit Jahrhunderten betriebene Seefahrt und den Ackerbau. Allgemein sieht die Forschung in den Tieren einen symbolischen Ersatz für vorchristliche Opfergaben. So auch das „Nordfriisk Instituut“, das dies im Dezember 2002 in einem Newsletter schrieb, der leider nicht mehr online verfügbar ist. Aber auch abseits der Wissenschaft erzählen einem die Menschen in Friesland heute noch, dass die Tiere aus Salzteig oder Holz Symbole für heidnische Tieropfer seien.

Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die Friesen blieben dem Heidentum und seinen Symbolen und Ritualen sehr lange und teilweise bis heute treu. Bei meinem letzten Besuch auf Sylt habe ich auch dazu etwas geschrieben: Weda teere! – Heidnisches Sylt.

Am Fuße vieler Julbäume befinden sich allerdings auch Symbole für Adam und Eva unter dem Baum der Erkenntnis. Man sieht also, dass heidnische und christliche Elemente sich hier im Laufe der Zeit vermischt haben.

Für mich ist der Julbaum eine wunderschöne feierliche Ergänzung zu den geweihten Nächten, dessen Symbolik und Optik mir sehr gefallen. Mir geht es dabei natürlich eher um den heidnischen Blickpunkt und meine Bedürfnisse in heutiger Zeit. Daher habe ich meinen Baum entsprechend geschmückt und so findet man Symbole für Schutz, Opfer, Liebe und den Geist der Julzeit an ihm. Der Aspekt der Wiederverwendbarkeit gerade in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein könnte zudem aktueller nicht sein.

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben