Opfer-Erlebnis

Das Opfer ist zentraler Bestandteil des Heidentums und mitunter ein echtes Erlebnis. Zumindest ist das bei mir so und ich denke, dass das einer der wenigen Punkte im Heidentum ist, auf den man sich in Sachen Allgemeingültigkeit einigen könnte. Das Opfer, oder auch Blót (altnordisch blóta, „opfern, verehren“), ist für mich Verbindung, Einkehr und Erfüllung. Dazu ein paar Worte:

Tief im Wald

Verbindung:

Beim Anrufen der Götter, Wesen und Ahnen stelle ich eine Verbringung her, wie ich es vielleicht auch sonst am Tage tue. Da ich mir allerdings vorher Gedanken über die Ausgestaltung, den Zeitpunkt und den Ort des Blóts gemacht habe, komme ich auf dem Weg dorthin bereits in eine besondere Stimmung. Das hat zufolge, dass die Verbindung während des Rituals tiefer und inniger ist, als ich sie sonst wahrnehme. Aus diesem Grund könnte ich auch nicht „mal eben schnell“ opfern. Es braucht Zeit, die Stimmung und den richtigen Moment dazu.

Einkehr:

Bin ich verbunden, habe also die Götter, Wesen und Ahnen eingeladen, angerufen und weiß sie bei mir, wird es still in mir. Der Ort, die Umgebung, die Präsenz und die innere Ruhe verbinden sich allmählich zu einer Art Gesamtzustand. Nun rufe ich einzelne Gottheiten, Wesen oder Ahnen an, opfere Ihnen und bitte sie um ihren Rat und/oder ihre Tat.

Erfüllung:

Sie stellt sich zum Ende des Blóts und danach ein. Die tiefe Dankbarkeit über den Kontakt, darüber, angefasst worden zu sein und die Gewissheit, seine Anliegen hervorgebracht zu haben, schaffen diese Erfüllung. Daher wirkt ein Blót bei mir oftmals lange nach. Teilweise mehrere Tage.


Mein jüngstes Opfer-Erlebnis
Der Altar

Ein schönes Beispiel dafür ist mein letztes Opfer, das ich einen Tag vor meinem Wiegenfest Mitte November abhielt. Es gab keinen konkreten Anlass, keinen Termin oder besonderen Tag, der zu einem Opfer veranlasst hätte. Es war einfach das Verlangen, das ist nicht übertrieben formuliert, ein Opfer zu machen und in den engen Kontakt mit den Göttern, Wesen und Ahnen zu kommen. Also ging ich an einem herrlichen Herbstsonntag (ich liebe übrigens den Herbst, wie ich hier schon einmal schrieb) in den Wald. Mit Wardruna in den Ohren und anfangs den Wegen folgend, bog ich irgendwann ab und „irrte“ absichtlich durch das Unterholz, bis ich den perfekten Platz für mein Opfer gefunden hatte. Ein mit Moos bewachsener Baumstumpf, der bereits neue Triebe zeigte, schien mir perfekt. Ein Symbol für den Lebenskreis, für den Tod und neues Leben. Ich stellte die Musik ab, genoss die Stille und verweilte einen Augenblick, ohne etwas zu tun. Dann bereitete ich alles vor und begann mein Blót mit Trinkhorn (gefüllt mit Bier), einer Wodan-Büste und einer aus Fichtenzapfen gelegten Algiz-Rune mitten im Wald, fernab von anderen Menschen, Straßenlärm oder anderen Störfaktoren. 

Ein interessierter Zuschauer

Es wurde ein inniges Blót, wie es schöner kaum sein konnte. Im letzten Drittel machte ich dann auf einmal Bewegungen hinter ein paar Bäumen aus und dachte, dass nun doch Spaziergänger den Weg hierhin gefunden hätten, doch weit gefehlt. Neben einer Fichte schaute mich in ca. 20 Metern Entfernung ein Reh an. Es schaute, ging ganz ruhig mit dem Kopf zu Boden, schaute erneut auf und blieb weiterhin stehen. Neben ihm tauchten drei weitere Rehe auf und langsam gingen alle vier ihren Weg. Ohne jede Hast oder Flucht. Tief berührt, beendete ich mein Blót und spazierte noch etwas durch den Wald, um dieses „Opfer-Erlebnis“ zu verinnerlichen und weiter wirken zu lassen. Wie oben beschrieben, zehre ich noch heute (drei Tage nach dem Opfer) von diesen Momenten.

Bei den vier Rehen musste ich später an Dain, Dwalin, Duneyr und Durathror denken, wobei das natürlich Hirsche sind. Dennoch ein schöner Gedanke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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