Ostara 2019

Am 3. Mai ging es erneut zum Ostara-Treffen auf der Jugendburg Ludwigstein bei Witzenhausen in Nordhessen. Die „Kneipe am Kreuzweg“ hatte wieder einmal geöffnet und als Reiseziel der neun Welten stand dieses Jahr Muspelheim auf dem Programm. Einmal mehr waren zahlreiche Gäste erschienen und so traf man neben Heiden aus dem gesamten Bundesgebiet auch Leute aus den USA, den Niederlanden, Schweden und der Schweiz. Die Organisatoren hatten dieses Jahr sogar einen Tag länger eingeplant, sodass die Veranstaltung vom 1. bis zum 5. Mai stattfand. Nachdem mir Ostara 2018 schon gut gefallen hatte, war klar, dass ich wiederkommen würde. Leider war mir die Anreise aber erst am Freitag möglich.

Immerhin konnte ich wieder dem Skalden-Abend beiwohnen, an dem für gewöhnlich Menschen zu musikalischen Höchstleistungen auflaufen, ohne dass sie dabei perfekt oder Profis sein müssen. Das Motto „The stage is yours“ trifft da voll den Kern. Im Anschluss gab es am Lagerfeuer noch sehr interessante Gespräche über die Götter und die Welt. Das war schön.

Logo des Ostara 2019

Am Samstagmorgen stand dann das Blot an, welches von den schwedischen Freunden („The Fellowship of Kvasir„) durchgeführt wurde.  Zugegeben, es war recht kurz und daher wohl ein Gegenentwurf zum deutlich länger gewesenen Eröffnungsritual am Mittwochabend, an dem ich ja nicht teilnehmen konnte. Ein schöner, farbenfroher Altar mit Blumen, Figuren und Rauchwerk sorgte für eine angemessene Atmosphäre. Nachdem einige Opfergaben auf dem Feuer vergangen waren, löste sich die Gruppe nach und nach auf, denn es standen die ersten Vorträge des Tages an.

Auf meinem Zettel hatte ich mir drei davon markiert. Der Vortrag „Das Feuer im Spiegel der Kulturen“ von Petra Bolte musste leider entfallen (wird aber nachgeholt) und so blieben mir noch „The Rise and Fall of the Cult of Odin“ von Jan-Olof Nyman („The Fellowship of Kvasir“) und „Heidnisches Priestertum?“ von Kurt Oertel.

Altar beim Blot

Jan-Olof Nyman Vortrag über den Odins-Kult war sehr interessant, da für mich dabei einige neue Aspekte ans Tageslicht traten. So geht man davon aus, dass es durchaus Rivalitäten zwischen Anhängern Thors und denen Odins gegeben hat, und es wurde auch deutlich, dass gerade die Anhänger des Odin-Kults (oftmals reiche, höhergestellte Menschen mit Einfluss) Wegbereiter und Gehilfen des späteren Christentums und seiner Mission waren. Status, Macht und Reichtum waren dabei ausschlaggebend. Glaube, Sitte und der Name eines Gottes spielte dann schnell keine große Rolle mehr.

Kurt Oertels Vortrag über das heidnische Priestertum (?) folgte am Nachmittag und war nicht weniger spannend. Vorweg: Kurt Oertels Stimme ist so toll, er hätte noch Stunden erzählen können. Das soll aber natürlich den Inhalt seines Vortrages in keinster Weise schmälern. Sehr klar berichtete er über Priester oder grob vergleichbare Ämter in Athen, Rom und bei den Germanen. Dabei wurde sehr schnell klar, dass es Priester in der Definition, wie wir sie heute kennen und wie sie seit Jahrhunderten verstanden wird, nicht gab. Es gab Ritualleiter und -helfer, Seher und Deuter, aber keine solche Art Priester. Daher stets das Fragezeichen hinter dem heidnischen Priester (?). Auch der Gode, den man von Island her kennt, war eher ein Vorsteher oder Träger der Regierungsgewalt, weil es im freien Island, anders als im Skandinavien der Herrscher und Könige, kein solch königliches Oberhaupt gab.

Nach dem Abendessen zeigten die lieben „les enfants du feu“ noch mit einer tollen Feuershow ihr Können. Etwas mehr Dunkelheit wäre dem Ganzen allerdings zuträglich gewesen. Unter Einbezug am Nachmittag angelernter Neugieriger, die ihren Job allesamt mit Bravour meisterten, endete die Show am Lagerfeuer mit dem Opfern und Verbrennen der Blumenkränze vom Altar.
Danach ging es in den großen Saal, wo Duke Meyer mit „Wie der Hammer heimkam“ ein 1-Mann-Theater von allererster Güte ablieferte. Die Þrymskviða („Lied von Thrymr“) oder auch Hammersheimt („Heimholung des Hammers“) ist wohl den meisten bekannt. Sie erzählt die Geschichte, wie Thor der Hammer geklaut wird und er als Frau verkleidet, mit Loki als seiner Gehilfin, seiner Hochzeit mit Thrym beiwohnt, um den Hammer zurückzubekommen. Eine ohnehin lustige Geschichte, von Duke Meyer perfekt angereichert, gespielt und transportiert. Genial!

Abendritual (Foto: Eldaring)

Bei dem ein oder anderen Bier, Wein oder Met klang der Abend dann allmählich aus und am Sonntagmorgen blieb noch das Frühstück nebst Abschiedsrunde, bei der wieder einmal festgestellt wurde, wie schön es doch gewesen war. Aufgrund meiner vergleichsweise späten Anreise sind mir leider einige Vorträge und Momente entgangen und ich kann natürlich nur von dem berichten, was ich selber erlebt und mitbekommen habe. Aufgeschlossene Menschen, ein heidnischer Geist und viel Spaß haben diese Zeit besonders sein lassen.

Für Ostara 2020 steht „Schwarzalbenheim“ als Ziel an und ich hoffe vor Ort sein zu können, wenn die „Kneipe am Kreuzweg“ wieder ihre Türen öffnet, um Heidinnen und Heiden von Nah und Fern eine schöne Zeit zu schenken. Der Termin ist jedenfalls schon notiert.

Auf dem Heimweg von der Burg machten wir einen kleinen Umweg und besuchten noch Frau Holle und ihren Teich auf dem Meißner. Ein sehr schöner, stiller Ort. Dazu aber mehr in einem späteren Beitrag.

 

 

 

 

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