Ostara 2022

Nach drei pandemiebedingten Jahren Zwangspause war es endlich wieder soweit. Ostara 2022 mit der Reise nach Schwarzalbenheim auf Burg Ludwigstein konnte, den Göttern sei Dank, planmäßig stattfinden. Die große Freude darüber war den ca. 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern deutlich anzumerken. Dabei ist es vielleicht gar nicht so selbstverständlich, dass man direkt wieder in ein vertrautes Verhältnis zueinander findet. Der berühmt-berüchtigte Smalltalk über das Wetter blieb meines Wissens aber komplett aus. Nein, es war das ganze Gegenteil. Man fiel sich in die Arme, klönte, trank und sumbelte so vertraut wie eh und je. Eher noch ein wenig inniger und dankbar dafür, dass dies nun endlich wieder möglich war.

Gemütliches Beisammensein am Lagerfeuer bis spät in die Nacht

Am Freitagvormittag kam ich auf der Burg an und gönnte mir nach dem Bezug des Zimmers ein paar von Axel Hildebrand vorgetragene „Loki und Thor – Covid / Asgard / Tag“-Episoden. Das Ganze draußen im Sonnenschein, es war ein Genuss. Danach wurde erst mal geschaut, wer alles vor Ort war und entsprechend gequatscht. Das hatte wiederum zufolge, dass ich Kurt Oertels Vortrag „Mit Tacitus im Urwald. Zum Wert und Unwert antiker Quellen“ verpasste. Ärgerlich, wenn man bedenkt, wie informativ und hörenswert vorgetragen seine Referate sind. Mist. Auch der Vortrag „Räucherwerk“ der Eldaring AG Handwerk fiel diesem Umstand zum Opfer. Nochmal Mist.
Zum freitagabendlichen Skalden- und Bardenabend war ich dann wieder zugegen und konnte die wunderbaren Vorträge der großen und kleinen Skalden- und Barden genießen. Danach ging es in die Kneipe am Kreuzweg und der Abend klang aus.

Der Samstag begann für mich direkt nach dem Frühstück mit dem Vortrag „Der Nachweis auf extreme Schwarzalbigkeit bei Lukas, dem Lokomotivführer und Kalle Wirsch, König der Wirsche“ von Hermann Ritter. Mag der Titel lustig und skurril daherkommen, so waren die „Ohs“ und „Ahs“ während des Vortrags deutlich zu vernehmen. Ein klasse Referat mit einem Blick auf Walter Oehmichen und die Entstehung der Augsburger Puppenkiste, sowie die jüngere Geschichte der Jugend- und Kinderliteratur, auf ihre Erschaffer und die verschiedenen Ebenen, auf denen sie ihre Puppen „tanzen ließen“. Auch der Vortrag „Neofolk: Gesellschaftliche Entfremdung bei dem Versuch, neue Musik mit Heimat-Symbolik zu erschaffen“ von Andreas Mang war den Besuch im großen Saal wert, auch wenn ich diese Musik nicht wirklich gut kenne.

Opferaltar
Opferaltar mit Götterfiguren, Blumen, Kerzen, Kohle und besagtem „Strohmann“

Da leider einige Vortragende aus triftigen Gründen nicht anreisen konnten, entfiel der ein oder andere interessante Programmpunkt. Das führte allerdings dazu, dass Thorsten Ostwaldt spontan einen Vortrag namens „Heidentum und katholische Religion“ anbot. Er ist katholischer Theologe, der auch vergleichende Religionswissenschaften studiert hat und aktives Gemeindemitglied ist. Aufgrund des Feldes der Religionswissenschaften interessiert er sich auch für neuheidnische Religionen und hat so Kontakt zu einem Eldaring-Stammtisch aufgenommen, aus dem dann eine Freundschaft entstand. Die Diskussion fand stets auf einem ansprechenden Niveau und ohne jeden Unterton statt, was die Sache sehr angenehm und durchaus lehrreich machte.
Zur besten Zeit und voller Vorfreude ging es am frühen Abend dann zum Blót-Platz, wo die Schwarzalben (Eldaring-Stammtisch aus dem Ruhrgebiet) das diesjährige Ostara-Blót vorbereitet hatten. Ein wunderschöner Opfer-Altar geschmückt mit Blumen, Götterfiguren, Kohle aus dem Ruhrgebiet und Miniaturen von Bergbau-Fördertürmen erwartete uns. Nachdem alle mit Met versorgt waren, sangen wir das Steigerlied in umgedichteter Version (auf die Schwarzalben gemünzt), ehe eine Strohpuppe als Symbol für den Winter dem Feuer übergeben wurde. Dann wurde den Göttern, Wesen und Ahnen geopfert. In der Hoffnung auf Fruchtbarkeit, Frieden, Gesundheit und eine saubere Umwelt erhoben wir die Trinkhörner. Schließlich stand man noch einige Zeit zusammen und genoss den Moment, ehe Luci van Org mit ihrem tollen Konzert „LUCINA SOTEIRA – UNPLUGGED“ im großen Saal begann. Der Abend ging bis tief in die Nacht, denn man kam immer wieder mit neuen und alten Gesichtern ins Gespräch. Darunter auch die Autorin der Midgard-Saga, Alexandra Bauer, mit der ich mich sehr nett über ihre Bücher und die Arbeit dahinter unterhalten konnte.

Nach der Abschlussrunde am Sonntagmorgen und vielen Drückerchen blieb am Ende wieder einmal das Gefühl, aufgeladen und glücklich den Heimweg antreten zu können. Die Vorfreude auf 2023 ist jetzt schon groß.

Am Ende gilt ein großer Dank dem gesamten Orga-Team, den helfenden Händen, den Vortragenden und jenen Menschen, die gekommen waren, um gemeinsam zu opfern, zu sumbeln, zu lachen, zu weinen und sich zu vergewissern: Das Herdfeuer wurde wieder entfacht, alte Götter sind neu erwacht.

 

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