Preußische & Lippische Velmerstot

Am letzten März-Wochenende nutzten wir das herrliche Wetter für eine Wanderung auf der Velmerstot. Die Velmerstot, im Norden des Eggegebirges westlich vom Zentrum des Naturparks Teutoburger Wald / Eggegebirge gelegen, ist der höchste Berg (464 m ü. NHN) des Eggegebirges, das einen süd-östlichen Ausläufer des Teutoburger Waldes darstellt. Bis ins 17. Jahrhundert trug der Gebirgszug mit dem nordwestlich anschließenden Teutoburger Wald den Namen „Osning“. Die beiden Kuppen werden „Lippische Velmerstot“ und „Preußische Velmerstot“ genannt, wobei die Lippische als Nordkuppe mit 441,4m ü. NHN etwas niedriger als die Südkuppe ca. 464 m ü. NHN ist. Die Begriffe „Lippisch“ und „Preußisch“ stammen aus der Zeit der Fürstentümer, als genau hier die Grenze zwischen dem Fürstentum Lippe und Preußen lag. Ob es der oder die Velmerstot heißt, ist übrigens unklar. Beide Varianten finden Verwendung. Ich habe mich für die weibliche Form entschieden. Eine Nutzung dieser imposanten Felsformation als heidnischer Kultort durch unsere Ahnen ist nicht belegt. Wer sich aber ein wenig von der Magie dieses Ortes anstecken und den Blick und die Gedanken schweifen lässt, wird sich kaum vorstellen können, dass hier nie etwas Derartiges geschehen ist.

 

Der Eggeosthang mit seinem Farbenspiel
Der Eggeosthang mit seinem Farbenspiel
Preußische Velmerstot

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Teile der Gegend und der Gipfel militärisches Sperrgebiet der NATO. Daher führen geteerte Straßen bis auf die Südkuppe, die mit dem privaten PKW allerdings nicht befahren werden dürfen. Da diese Gegend wunderschön ist, bietet sich eine Wanderung allerdings ohnehin an. Auf dem Gipfel befindet sich der 2003 erbaute Eggeturm, von dem aus man einen herrlichen Rundumblick hat. Im Westen sieht man z.B. den Bauernkamp und den Eggeberg, im Nordwesten schaut man gen Teutoburger Wald mit Hermannsdenkmal, im Norden ins Lipper Bergland, im Osten kann man den Köterberg und im Süden ist das Sauerland erkennen.

 

Der 17 Meter hohe Eggeturm auf der Preußischen Velmerstot
Der 17 Meter hohe Eggeturm auf der Preußischen Velmerstot
Ausblick vom Eggeturm auf der Preußischen Velmerstot
Ausblick vom Eggeturm
Lippische Velmerstot

Etwa 800m nördlich entfernt liegt, mitten in einer Heidelandschaft gelegen, eine begehbare Sandsteinformation bestehend aus mehreren Sandsteinquadern, die das alte Kulturland repräsentiert. Ein gut 1,50 Meter hoher Obelisk befindet sich auf der Formation. Er trägt neben der Jahreszahl „1916“ auch die Inschrift „Komm gern zu mir, doch schone mich, denn alles hier geschah für Dich“. Auch von hier aus ist ein toller Rundumblick, unter anderem auf den Köterberg im Osten oder das Warburger Land mit dem Desenberg im Südosten, möglich. Bei guter Sicht ist sogar der Fernmeldeturm Habichtswald auf dem Essigberg bei Kassel ohne Fernglas zu sehen.

 

Der Obelisk auf der Lippischen Velmerstot
Der Obelisk auf der Lippischen Velmerstot
Die Lippische Velmerstot in der Abendsonne
Die Lippische Velmerstot in der Abendsonne (CC-by-sa-2.5).
Wanderung & Ritual

Unsere Wanderung begann bei Sandebeck auf östlicher Seite und führte uns durch den malerischen, stillen Wald des Eggeosthangs Der Wind rauschte in den Baumkronen, ein paar Vögel zwitscherten und kleine Bäche plätscherten friedlich vor sich hin. „Das ist wie Musik“ hieß es zu recht. Beim Anblick des Eggeosthangs bemerkt man auch als Laie sofort, dass die Externsteine nicht weit sein können (sie sind ca. 8 Kilometer entfernt). Die Sandsteinformationen liefern auch hier aufgrund ihrer Höhe und den verschiedenen Färbungen einen imposanten Anblick. Gleiches bietet der Wald mit seinen hohen Buchen und Fichten, die ihn schier endlos erscheinen lassen.

Auf dem Rückweg suchten wir uns ein ruhiges, abgelegenes Plätzchen, um spontan ein Ritual abzuhalten. Ein so wunderschöner Ort, mit einer solch friedlichen Stimmung ist einfach prädestiniert dafür. Wir entschieden uns für einen Baumstumpf, der abgelegen vom Weg und vollständig mit Moos bewachsen war. Auf dem Stumpf machte sich eine Fichte daran, ein neuer Baum zu werden. Ein symbolträchtigeres Bild für das Kommen und Gehen, für das Sterben und das Geborenwerden, für den Tod und das neue Leben kann man sich kaum vorstellen. Nach dem Winter, der Tagundnachtgleiche und dem nun beginnenden Frühling war es genau das, was wir, gewärmt von den ersten Sonnenstrahlen, gesucht hatten.

 

Der abendliche Wald auf dem Rückweg.
Der abendliche Wald auf dem Rückweg

Wir legten Algiz aus gefundenen Fichtenzweigen auf dem Stumpf und formten einen Kreis aus Fundsteinen und Fundfichtenzapfen darum. Mir persönlich ist immer wichtig, nur das zu nehmen, was Mutter Natur uns zu Füßen gelegt hat. Es wird nichts ab- oder ausgerissen. Im Ritual riefen wir die Götter an, baten um Schutz für die Familie, ein gutes, ertragreiches Jahr und der Götter Segen für uns. Wodan, Donar, Sahsnot, Freyr und Eira waren dabei die Götter unserer Wahl. Wir opferten reichlich von unserem Trinkwasser, das einem auf einer 13 Kilometer-Wanderung durchaus auch heilig sein kann. Möge es den Göttern gefallen und dem jungen heranwachsenden Spross gut getan haben.

 

Baumstumpf mit Spross und Algiz im Kreis.
Unser Altar: Ein Baumstumpf mit Spross und Algiz im Kreis.

Nach einer Weile der Stille und des Innehaltens setzten wir unsere Wanderung fort und waren schließlich nach circa 5 Stunden wieder bei unserem Startpunkt. Ein wirklich schöner Wandertag.

 

 

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