Musik: Seidhjallar (Runahild)

Nur wenige Monate nach dem Erscheinen von „Seidsang“ hat Runahild mit „Seidhjallar“ ihr viertes Album veröffentlicht. Die fleißige Brenda Dahl aus Norwegen beglückt den geneigten Hörer mit sechs neuen Liedern, die im klassischen Runahild-Stil (Leier, Zither, Langeleik, Trommeln) eingespielt wurden. Einer der Songs, nämlich „Fullmånesang“ (Vollmondsang), wurde bereits in der Zwischenzeit solo veröffentlicht, ist aber nun auch Teil des neuen Albums. Auch wenn sechs Lieder auf einem Album eher wenig erscheinen, so ist die Gesamtspielzeit mit einer guten halben Stunde doch völlig im Rahmen. Zudem ist ja nicht die Menge an Songs relevant, sondern deren Tiefe und Authentizität. Beides liefert Runahilds „Seidhjallar“.

Der malerische Ort des Schaffens in den norwegischen Bergen

Der Schaffensprozess für „Seidhjallar“ fand im Rahmen intimer Rituale in einer abgelegenen Hütte auf den Höhen norwegischer Berge statt. Das schlägt sich auch im Namen des Album nieder, der vom nordischen Wort „Seiðhjallr“, ein hoher Sitz, an dem die nordische Magie namens „Seidhr“ ausgeführt wurde, stammt.

Nach Runahilds eigenem Verständnis widmet sich „Seidhjallar“ der heiligen Synthese von Dunkelheit und Licht und bezieht ihre Inspiration von spirituellen Reisen in die jenseitigen und irdischen Bereiche, die dem Rhythmus von Trommeln und Liedern folgen, um sich selbst zu bereisen.

Für Runahild ist das Album eine synergetische Vereinigung von Weiblichkeit und Männlichkeit, als Symbol der zwei Polaritäten im Universum, die zu einem Ganzen und einem Schöpfer von alldem werden, was sich im ewigen Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt befindet. „Es ist die Wiederverbindung zur Quelle der Seele, wenn diese beiden Essenzen zu einer Einheit verschmelzen und sich auf die Weise mit allem verbinden, was jenseits von Zeit und Raum ist“, so Brenda wörtlich über ihr neues Album.

Für mich schließt sich das Album stilistisch nahtlos an die Vorgänger an und bietet einen deutlichen Wiedererkennungswert. Man merkt allerdings auch, wie musikalisch ein wenig experimentiert wird und Brenda sich mehr zutraut. In einzelnen Stücken lässt sie sich die Zeit, die sie benötigt und geht mitunter auch mehr aus sich heraus. Ganze Passagen ohne Trommeln, auch mal ohne Gesang, nur mit Geräuschen der Natur finden so immer wieder ihren Weg auf das neue Album. Das mag dem ein oder anderen vielleicht nicht immer zusagen, weil ein Song auf diese Weise weniger eingängig klingt, aber es geht hier ja nicht um poppige Ohrwurm-Hits, sondern um Reisen, Momente und den eigenen Geist. In meinen Augen ist es Runahild wieder einmal bestens gelungen, diese intimen Reisen festzuhalten, als Album zu präsentieren und uns eigene musikalische, schamanisch geprägte Reisen zu ermöglichen.

 

Das Album könnt ihr euch hier kostenlos anhören.

1. Fullmånesang 02:45
2. Seidhjallar 09:16
3. Nymåne 03:34
4. Heimferd 05:43
5. I Dødens Favn 05:42
6. Livskjelda 06:21

 

Das Cover zum neuen Album ist eine Mischung aus der Mondlandschaft des vorherigen Seidsang-Albums und einer Malerei von Nordlicht-Geistern von Steinar Solvang, deren Enkelin Mari Hansen die Erlaubnis zur Verwendung gab.

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