Shoah Gedenken – Genug ist nicht genug

Im Vorfeld und am gestrigen Holocaust-Gedenktag wurde uns, mit TV- und Radio Beiträgen, Interviews, Aktionen und Veranstaltungen, erneut der unbequemste Teil unserer Geschichte vor Augen geführt. Politik und Medien sprechen von Verantwortung und Bewusstsein und enden dabei oft mit dem Satz: “Nie wieder”. Das ist gut so. Frau Claudia Roth hingegen reicht genau in dieser Zeit im Iran einem Holocaust-Leugner die Hand. Das ist erbärmlich.
Aber auch in unserer Gesellschaft reichen die Reaktionen und Kommentare von Anteilnahme und Demut bis hin zum fast schon leider klassischen “Nicht schon wieder” oder “Es muss doch auch mal gut sein”. Ob die Demütigen oder Letztere dabei die Mehrheit bilden, weiß ich nicht und vielleicht ist das auch gut so. Es könnte enttäuschend sein, es zu wissen.

 

Deportation mit Slogan Nie wieder
Foto: StandWithUs

Der Schlüssel zur innerlichen Anerkennung der Shoah liegt in der Fähigkeit zur Empathie. Niemand kann das Grauen und die Emotionen der Opfer ernsthaft nachempfinden aber versuchen sollte man es dennoch. Was einem dabei widerfährt, reicht aus, um die Wichtigkeit dieser Erinnerung zu erkennen. Ein altes, schwarz-weißes Fotos mag auf den ersten Blick “weit weg” wirken, aber wenn einem der Versuch gelingt, sich und seine geliebten Menschen um sich herum nur ansatzweise gedanklich in die Situation der Opfer von damals zu versetzen und wem dabei kein eiskalter Schauer begegnet, wem das Herz nicht schwer wie Blei wird und wer dabei nicht die endlose Traurigkeit vom Verlust der eigenen Kinder, Eltern und Freunde fühlt, der tut sich vielleicht gerade noch selbst leid. Und dann entstehen Sätze wie: “Es reicht langsam. Ich habe daran doch keine Schuld”.

Schuld haben Täter oder Menschen, die Täter begünstigen. Verantwortung haben jene, die es besser wissen müssen. Wollen wir nichts wissen, handeln wir verantwortungslos. Jeder Mensch auf diesem Planeten hat eine Verantwortung, Hass, Gewalt, Unrecht und Mord entgegenzutreten, zu benennen oder zu ächten, rechnet er sich einer zivilisierten Gesellschaft zu. In Bezug auf die Shoah und den Antisemitismus ist es aber nun mal so, dass es wieder Menschen gibt, die den Juden die Schuld an allem geben und da beginnt der Kreislauf von vorne. Wenn wir es nicht verstehen, gerade mit Blick auf die Geschichte, einzuschreiten, dann versagen wir erneut. Das gilt in besonderem Maße auch für die Politik, denn Genozide barbarischster Art und Weise finden weltweit unter unser aller Augen statt oder werden von Staaten wie dem Iran in Aussicht gestellt (Hinweis an Frau Roth). Es gilt aber ebenso für die Medien, denen es in ihrer Israel-Berichterstattung nicht selten an Objektivität mangelt.

Wegen mir muss sich niemand Shoah-Filme, -Berichte und -Interviews ansehen, solange er sich aktiv für Menschlichkeit und gegen Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus einsetzt. Das tun nur leider die wenigsten und daher ist diese regelmäßige “Auffrischung” mit dem, was einmal war, sinnvoll und absolut notwendig. Eine zivilisierte Gesellschaft wird einfach viel zu schnell zu einer barbarischen, als dass wir es uns erlauben könnten, mit dem Holocaust “endlich mal abzuschließen”.

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