Der Uhlenstein

In Alhausen, einem Ortsteil der ostwestfälischen Stadt Bad Driburg und Geburtsort des Schriftstellers Friedrich Wilhelm Weber („Dreizehnlinden“), befindet sich der „Uhlenstein“ oder auch „Ulenstein“. Beide Schreibweisen habe ich vorgefunden und beide bedeuten „Eulenstein“, was vielleicht ein Hinweis auf die einst tierischen Nutzer dieses Felsens sein könnte. Dieser kleinen, circa 3,5 Meter hohen Felsklippe aus oberem Muschelkalk, um die sich auch Erzählungen und Vermutungen ranken, statteten wir Ende August einen Besuch ab.

 

Der Uhlenstein von vorne
Der Uhlenstein

 

Der Uhlenstein von der Seite.
Der Uhlenstein von der Seite. Die Plattform, die auch als Opferstelle gedeutet wird, ist gut zu erkennen.

 

Direkt an einem Feldweg gelegen und von einem Wäldchen aus Buchen und Rosensträuchern umgeben, befindet sich der Uhlenstein an einem Hang am Rande des Ortes Alhausen. Im Sommer ist er vom Weg aus nicht zu sehen und man muss schon auf ausgebaute Wege und Pfade verzichten, um zu ihm zu gelangen. Er befindet sich zudem auf einem Privatgrundstück, darf allerdings auf eigene Gefahr hin aufgesucht werden, was ich persönlich sehr begrüße. Es wäre wirklich schade, wenn man hier als Interessierte/Interessierter keinen Zugang hätte.

Funde und Forschung

Der Fels ragt oberhalb etwas vor und ist von Moos bewachsen. Zehn Meter oberhalb des Felsens befindet sich ein Grabhügel aus der Bronzezeit (ca. 3500 Jahre alt), den man heute lediglich als leichte Kuppe wahrnehmen kann. Unterhalb des überhängenden Felsens fanden zwei Jugendliche 1967 ein Skelett.  Im Jahr 1982 fand eine zweiwöchige archäologische Untersuchung am Uhlenstein statt, bei der man auch Bruchstücke von Rentier-Geweihen fand. Andere Quellen sagen, dass bei eben dieser archäologischen Untersuchung das Skelett gefunden worden sei. Bei diesem Skelett handelte es sich um eine 20-40 jährige Frau, die etwa 1,57m groß war und vermutlich an einer Rippenfellentzündung starb. Ihr Begräbnis am Uhlenstein wird auf das 5. bis 7. Jahrhundert oder noch früher datiert. Leider blieb eine genauere Altersbestimmung des Skeletts mit Hilfe der Radiokarbonmethode aus. Das Grab war sauber und ordentlich mit Erde und Steinplatten verfüllt.

 

Das Hügelgrab
Nur noch als leichter Hügel wahrnehmbar: Das Hügelgrab.

 

Straßenschild "Auf der Thingstätte"
Straßen- und Flurnamen geben oft Hinweise über Orte und ihre frühere Nutzung.

 

Früher sah man den Uhlenstein als frühgeschichtlich-germanischen Kultplatz an und manch einer ist heute noch davon überzeigt, dass unsere Ahnen hier einst kultisch tätig waren. Die Felsspalte wird als Blutrinne und die Plattform oberhalb des Steins als Opferstelle angesehen. Da unsere Ahnen nachweislich in dieser Region kultisch aktiv waren (Iburg, Drudenhöhle, Schonlau, etc.) ist diese Annahme, auch wenn sie nicht bewiesen werden konnte, nicht abwegig. Heutige Flur- und Straßennamen liefern z.B. oft noch Hinweise auf Orte und ihre Nutzung in frühesten Zeiten. So auch der Straßenname „Auf der Thingstätte“ in Alhausen, nicht unweit des Felsens.

 

Berkana-Rune im Steinkreis unterhalb der Blutrinne des Uhlensteins
Berkana unterhalb der „Blutrinne“.

 

Wir konnten den Ort jedenfalls mit seiner Stille, der Geschichte und den Gedanken an unsere Ahnen, Götter und die Wesen des Ortes genießen. Mit einem kleinen Ritual schlossen wir unseren Besuch ab und hinterließen Berkana aus Fundholz in einem Steinkreis. Ein lohnenswertes Ziel, das wir sicherlich nicht das letzte Mal besucht haben.

 

 

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