Väntljusstaken – Der Vänt-Leuchter

„Väntljusstaken“ ist schwedisch und bedeutet übersetzt in etwa „Licht-Erwartungs-Leuchter“. Dahinter verbirgt sich eine Idee, die sich am ehesten mit dem hierzulande bekannten Adventskranz vergleichen lässt – das „Ziel“ ist jedoch nicht Weihnachten, sondern die Wintersonnenwende, auch Mittwinter genannt. Anstatt der vier Kerzen werden sechs mit Runen verzierte Kerzen nacheinander entzündet. Zu Beginn sind es sechs Wochen bis zur Wintersonnenwende (also ab Mitte November, das genaue Datum variiert jedes Jahr leicht) und die schwedischen Freunde beginnen damit, jede Woche am Donnerstag eine Kerze mehr zu entzünden, bis schließlich die Wintersonnenwende erreicht ist. Die längste Nacht des Jahres ist dann vorbei und das Licht kehrt zu uns zurück. An diesem Tag brennen dann auch alle sechs Kerzen. Dieses schöne Ritual entstammt keinesfalls einer authentischen Überlieferung alter heidnischer Nordmänner, sondern ist der schöne Beweis dafür, dass Heidentum auch eine progressive Seite, neue Ideen und Rituale mit einschließt. So berührend und wichtig der Blick in die Geschichte unserer Ahnen ist, so wichtig ist auch die Entwicklung der eigenen Praxis und Rituale, mit denen man in heutiger Zeit die Hohen ehrt und ihnen verbunden ist.

Vänt-Leuchten von „Schabernacks Untiefen“

Auf den Kerzen stehen die ersten sechs Runen aus dem älteren Futhark, dazu gibt es ein Gedicht (die „Väntljusversen“, geschrieben von der Schwedin Stina Christersdotter Jarenskog), welches man beim Entzünden rezitieren kann.

Licht-Erwartungs-Gedicht

FEHU – Wir zünden das erste Licht an in Erwartung und lassen es im Zeichen der Fehu¹-Rune brennen, bis die Königin der Sonne sich erneut herumwendet, möge es an ihre Pracht erinnern.

URUZ – Wir zünden das zweite Licht an in Erwartung und lassen es im Zeichen der Uruz¹-Rune brennen, bei allem, was kommt, und allem, was passiert ist, möge es an den Lauf der Zeit erinnern.

THURISAZ – Wir zünden das dritte Licht an in Erwartung und lassen es im Zeichen der Thurisaz¹-Rune brennen, wenn wir des Winters verheerende Kräfte gefühlt haben, möge es an des Frühlings Wiederkehr erinnern.

ANSUZ – Wir zünden das vierte Licht an in Erwartung und lassen es im Zeichen der Ansuz¹-Rune brennen, in Ehrfurcht an den Gott, der die Sonne entzündet hat, möge es an Regins² Macht erinnern.

REIDO – Wir zünden das fünfte Licht an in Erwartung und lassen es im Zeichen der Reido¹-Rune brennen, in der Sehnsucht zu dem, was eines Tages wieder zurückgekehrt sein wird, möge es an die Reise zum Ziel erinnern.

KAUNAN – Wir zünden das sechste Licht an in Erwartung und lassen es im Zeichen der Kaunan¹-Rune brennen, ein Licht, das abermals im Dunkeln angezündet ist, möge es an die Jul-Hoffnung erinnern. 

¹ Runen übersetzt nach Düwel (2008) 
² Ein Zwerg in der nordischen Mythologie
Übersetzung aus dem Schwedischen: Carsten Ace Dahlmann


Dieses Jahr bekam ich von einer lieben Freundin einen Satz Kerzen, die sie in Handarbeit erstellt hat. Dafür an dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank. Übrigens: Auf ihrer FB-Seite 
Schabernacks Untiefen kann man sich vielerlei schöne kreative Ideen zur Kerzengestaltung ansehen. Ein Klick lohnt sich.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine besinnliche Herbst/Winterzeit, Zeit für sich und seine Lieben und Nähe zu den Göttern, Wesen und Ahnen.

 

Meine Vänt-Leuchten 2018

Ergänzung 12.11.2018

Ein paar Worte zu einem kritischen und offenkundig recht emotionalen Blogeintrag aus Schweden, in dem der Vorwurf gemacht wird, die „Väntljusstaken“ seien gar keine echte schwedische Volkskultur und hätten mit Asatru oder Heidentum nichts zu tun. Zu ersterem habe ich oben genau das geschrieben. Es ist eben KEIN überliefertes, altes Brauchtum, sondern der Beweis für Kreativität, Schaffenskraft und das Können, neue Rituale zu kreieren. Daher kann es, bezogen auf den zweiten Vorwurf, sehr wohl zu Asatru und dem Heidentum gehören, denn auch Brauchtum sollte sich entwickeln dürfen. Vielleicht hätte man meinen Beitrag etwas genauer lesen sollen.

 

 

2 Gedanken zu „Väntljusstaken – Der Vänt-Leuchter

  1. Hallo du,
    Vielen Dank für deinen tollen Beitrag.
    Müssen es eigentlich rote Kerzen sein, oder können die Kerzen eine andere Farbe haben?
    Ich finde das neue ritual sehr schön und stimme dir in deinem edit zu, das rituale und auch Bräuche neu gestaltet werden können.

    1. Hallo Sandra!

      Danke für Deinen Kommentar. Als heidnisches Ritual gibt es da keine starren Vorgaben. Ich habe diese Kerzen schon in grün, weiß, lila oder gold gesehen. Das solltest Du nach Geschmack und Intuition entscheiden.
      Wenn ein Ritual persönlich sein und von Herzen kommen soll, braucht es Deine „Handschrift“.

      Liebe Grüße!

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