Waldgeister

In diesem Beitrag geht es um Waldgeister. Als Heide sehe ich die Natur nicht bloß rein biologisch in ihren Elementen, sondern ich fange auch stets die Stimmung und den Moment ein. Nebelschwaden, Gerüche, Geräusche oder merkwürdig aussehende Gestalten vervollständigen mein Bild von der Natur und ihrer Beseeltheit. Wie ihr vielleicht bereits bemerkt habt, schreibe ich bei Opfern und Ritualen stets von den „Göttern, Wesen und Ahnen“. Jene Wesen sind es, die mich vor Ort unmittelbar daran erinnern, dass ich nicht an etwas glaube, sondern mit eigenen Augen sehen kann, dass es existiert. Kann ich den Göttern in Ritualen und Träumen sehr nah sein, so sehe ich die Wesen der Orte und kann sie physisch wahrnehmen. Ein beeindruckender Moment, der seinen Rahmen braucht. Die Ahnen wiederum schaffen es in Gedanken und Erinnerung immer wieder in mein Leben und helfen mir zu reflektieren, mich zu besinnen und etwas Demut an den Tag zu legen. Mehr dazu habe ich im Artikel „mein Heidentum“ geschrieben.

Aber zurück zu den Wesen der Orte, zu welchen auch die Waldgeister gehören. Auf einem schönen Waldspaziergang im Dezember 2020 stieß ich gleich zweimal auf Gestalten, bei denen ich stutzig wurde und stehenblieb. Manchmal braucht es durchaus einen Moment, bis man Körper, Haltung und Blick eines Geistes gedanklich geordnet hat. Hin und wieder will es auch einfach nicht gelingen, dann gehe ich weiter. In diesem Falle brauchte ich bei ersterer Erscheinung auch einen Moment, um sie dann „klar“ zu sehen: Ein weiblicher Waldgeist, wie eine ältere Frau mit wildem, langen Haar, Umhang und Kapuze, gebückt etwas tragend:

 

Der erste Waldgeist

 

Nachdem ich eine Weile ihre Gegenwart genossen hatte, ging ich schließlich weiter. Zum Ende des Waldganges stieß ich dann auf einen interessanten Baum, der stattlich groß war, am Rumpf jedoch eine ziemliche Abspaltung auszuhalten hatte. Merkwürdig sah er aus, geschunden aber dennoch gesund. Beim näheren Ansehen und einem Blick in den Spalt machte ich eine tolle Entdeckung: Ein prächtiger Waldgeist hatte sich dort niedergelassen und verharrte in der Hocke. Er hatte einen vergleichsweise kleinen Schädel auf einem sehr gedrungenen Oberkörper und auch sein langes linkes Bein war bis zum Fuß zu sehen. Ich war wirklich baff und musste diesen Anblick erstmal sacken lassen. Später machte ich ein Foto des Burschen und zeigte diese beeindruckende Entdeckung ein paar Bekannten und Verwandten. Dabei stellte sich heraus, dass andere Menschen zwar durchaus auch Waldgeister sahen, sie aber in ganz anderen Konturen und Größen beschrieben und nachzeichneten als ich das tat. Dabei waren sie doch so klar erkennbar. Oder etwa doch nicht? Um hier erklären zu können, wie ich den zweiten Waldgeist wahrnahm, habe ich das Foto zweimal unten eingestellt. Einmal im Original und einmal etwas überarbeitet, um mit den geschaffenen Konturen mein Bild des Geistes besser erkennbar zu machen.

Ein einfacher Waldspaziergang, der natürlich immer etwas Wundervolles ist, führte zu zwei Begegnungen, für die ich sehr dankbar bin. Es ist schön, dass sich Wald-, Baum- und Feldgeister jedem Menschen anders (und manchen gar nicht) zeigen und somit jeder Mensch, der auf sie achtet, „seinem“ Wald-, Baum- oder Feldgeist begegnet. 

 

Der zweite Waldgeist hockte in einem Baumspalt (links Originalbild, rechts überarbeitet)

 

Hinweis: Interessant sind in diesem Zusammenhang die Bücher von Wilhelm Mannhardt „Wald- und Feldkulte: Band 1: Der Baumkultus der Germanen und ihrer Nachbarstämme“ aus dem Jahr 1875 und „Die Korndämonen“ aus dem Jahr 1868. Beide Bücher gibt es kostenlos online, da inzwischen gemeinfrei.

 

 

 

 

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