Wardruna live in Wuppertal

Es war Mitte 2018 als mich die Meldung erreichte, dass Wardruna im November nach Wuppertal kommen werden. Sofort ging ich auf das Buchungsportal und stellte aufgeregt fest, dass mir fast der gesamte „Große Saal“ der Wuppertaler Stadthalle mit freier Platzwahl zur Verfügung stand. Also schnell zwei Tickets für die erste Reihe in den Warenkorb gepackt und die Bestellung abgeschickt. Juhu!

Beleuchtete Außenansicht der Historischen Stadthalle Wuppertal

Nach etwas Zeit dann die etwas ernüchternde Erkenntnis: 2019! Also anderthalbjähriges zähes Warten oder laaange Vorfreude also, je nachdem wie man es nimmt.

Am 28. November 2019 aber war es dann endlich soweit und das große Konzert stand an. Das zweite Ticket musste ich verkaufen, fand aber mit der sympathischen Nicole aus Bochum eine begeisterte Käuferin. Sie hat übrigens einen ziemlich populären Instagram-Account In Sachen Modeling, den ihr hier finden könnt. Als Sitznachbarn genossen wir gemeinsam das Konzert. Auch traf ich vor und nach dem Konzert die/den ein oder anderen Heidin/Heiden aus der Welt des Internets und vom Eldaring. Aber wie das an solchen Abenden eben ist, es dominieren die Vorfreude vor dem Konzert und die Eindrücke danach und so waren längere Gespräche leider nicht möglich.

Die Location
Der „Große Saal“ vor Konzertbeginn

Die Historische Stadthalle Wuppertal ist wirklich ein fantastischer Ort für ein solches Konzert und nicht ohne Grund eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Von außen wirkt das Gebäude geradezu majestätisch und durch die Beleuchtung bei Dunkelheit noch grandioser. Auch von innen macht die Stadthalle aus dem späten 19. Jahrhundert einiges her. Ein großes Foyer, mit Stuck verzierte Decken und opulente Leuchter auch im Konzertsaal gaben dem ganzen Abend den verdient festlichen Rahmen. Da in dieser Stadthalle unter anderem große klassische Konzerte stattfinden, war auch die Akustik entsprechend gut, wie wir im Laufe des Abends feststellen sollten.

Das Konzert
Einar Selvik und Eilif Gundersen mit ihren Bronze-Luren eröffnen das Konzert mit „Tyr“

Als um kurz vor 20 Uhr der erste Gong ertönte und man sich zu den Plätzen begab, war meine kribbelnde Vorfreunde geradezu am Kochen. Nachdem das Licht ausging und es dunkel wurde, legten sich die Gespräche im Saal rasch und wichen dem Applaus für die auf die Bühne tretenden Musiker um Einar Selvik. Zur Eröffnung ertönte gleich das mächtige „Tyr“, was aufgrund der gewaltigen Bronze-Luren zu Beginn des Liedes ein ziemlich beeindruckender Auftakt war. Die tiefen Töne durchdrangen den Körper und man sah nur Einar Selvik und Eilif Gundersen im Kegel des Scheinwerferlichts und ihre großen Schatten an der Bühnenwand hinter ihnen (siehe Foto links). Die Akustik, dieses Bild: Gänsehaut, die sich an diesem Abend noch öfter bemerkbar machen sollte. Es folgten das wunderschöne „Wunjo“ und „Bjarkan“. Ohne jeden Kommentar von Einar oder seitens der Band schritt der Abend fort. Lindy-Fay Hella, Arne Sandvoll, Eilif Gundersen, HC Dalgaard und Jørgen Bønstu Nyrønning standen auf ihren Plätzen und machten Musik. Keine Show, kein „Acting“. Konzentriert in der Sache, so wie Einar Selvik auch.
Bemerkenswert fand ich dann „Heimta Thurs“ und „Thurs“, wo zum Riesengebrüll schnelles Stroboskoplicht wechselnde Schatten an die Wand warf, was eine irre Dynamik erzeugte, obwohl jeder der Musiker fest an seinem Platz auf der Bühne stand. Mit „Runaljod“ und „Raido“ folgten weitere Lieder des Ragnarök-Albums, ehe es mit „Völuspa“ in der Skalden-Version ruhig und innig wurde. Danach wurde „Isa“ gespielt, gefolgt vom mächtigen „Uruz“, einem meiner vielen Lieblingslieder. Diesmal wurde die Bronze-Lure allerdings nur von Eilif Gundersen gespielt, was dem Lied aber nicht zum Nachteil werden sollte.
Der Abend setzte sich ohne jede Ansage mit „Solringen“, „Dagr“, „Rotlaust tre Fell“, „Fehu“, „Naudir“ und „Odal“ weiter fort. Danach verließ die Band die Bühne, was stehende Ovationen zufolge hatte. Einar, der von den Reaktionen des Publikums sichtlich angetan war und sich mehrfach mit der flachen Hand auf das Herz klopfte, um seine Dankbarkeit zu zeigen, wählte nun die ersten Worte des Abends. Seine Aussagen sind von andere Konzerten bekannt, aber deshalb natürlich nicht weniger wichtig.
Sinngemäß sagte er, dass es nicht darum gehe, die Vergangenheit zu verklären oder zu romantisieren. Es gehe um das, was schon immer da sei, seit Anbeginn der Zeit. Auch heute. Früher habe man bei der Aussaat, der Ernte, der Geburt oder dem Tod eines Menschen gesungen. Man habe Lieder dafür gehabt. Diese alten Lieder wären allerdings weg und es sei nun an uns, neue Lieder zu erschaffen und zu singen. Ohnehin müssten die Menschen viel mehr singen, egal wie es klingen würde. 

Wardruna

Er sei angewidert von den üblen Dingen, die man mancherorts höre. Sätze wie etwa „mein Land ist besser als dein Land“ oder „mein Gott ist ist besser als deiner“ und solchen „Bullshit“. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.
Wieder den Blick auf den Abend und seine Musik gerichtet, führte er fort, das nun folgende Lied (er bezog sich auf die erste Zugabe „Helvegen„) sei das, worum es bei Wardruna im Kern ginge. In diesem Fall um ein neues Lied über den Tod, über Abschied von geliebten Menschen oder einem selbst, über das Überqueren und das Loslassen. „This is Helvegen“. Da war sie wieder, meine Gänsehaut und sie sollte die nächsten Minuten nicht mehr verschwinden. Als auch dieses wunderschöne Stück endete und die Stadthalle erneut stehende Ovationen spendierte, schicke Einar den Rest der Band von der Bühne, um nach ein paar Worten über nordische Skalden und Poesie, „Snake Pit Poetry“ zu spielen. Das Lied zum Tode des Wikingers Ragnarr Loðbróks in der Schlangengrube. Ein sehr schöner, sanfter und berührender letzter Song, nach dem das Konzert dann leider endgültig vorüber war.

 

Fazit

In den sozialen Netzwerken war nach dem Konzert von „fürchterlichem Sound“, zumindest während der ersten vier Songs, zu lesen. Ich möchte das nicht abstreiten, kann das allerdings selber nicht bestätigen. Vielleicht war ich zu euphorisch, vielleicht lag es am Sitzplatz in der ersten Reihe, ich weiß es nicht. Für mich war in dieser Hinsicht alles ok. Mit einer Spielzeit von ca. 90 Minuten, allerdings ohne lange Monologe, wie sie mancher Künstler gerne hält, war das Konzert recht gut angelegt. Erfreulich fand ich auch das Verhalten des Publikums. Keine albernen Zwischenrufe, keine „witzigen“ Kommentare. In den ruhigen Momenten des Abends hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Sehr angenehm und der Besonderheit des Abends angemessen. Natürlich hätten wir alle gerne noch mehr gehört, aber die Wirkung dieses unvergesslichen Abends sollte sich auch so zeigen. Ich war tief berührt und ergriffen. Auf ein geplantes Bierchen nach dem Konzert in einer nahegelegenen Kneipe verzichtete ich gerne. Es war mir nicht danach. Die Schwingungen des Abends, die Rhythmen der Trommeln, der dröhnende Ruf der Bronze- und Birken-Luren, die lieblichen Töne der Talharpa, der Flöten und des Bukkehorns und, egal ob gezupft oder gestrichen, die Kravik Lyre: All diese Klänge schwirrten noch immer in mir umher und ließen das Konzert noch Tage nachwirken.

Wardruna war göttlich, energiegeladen und berührend. Danke für alles!

 

 

 

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